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Donnerstag, 25. Juni 2015

Tagebuch - es geschehen Wunder


Ich fass nicht was in unserem Leben gerade passiert und ich möchte euch gerne daran teilhaben lassen. Also Willkommen in der phantastischen Welt von Jo

Rückblick für alle die gerade zuschalten :)

Die letzten zwei Tage waren eine der härtesten Tage seit meiner Kindheit. Denn wir haben die Nachricht erhalten, das Britta Zwangspensioniert wird. Das bedeutet für uns, das wir einen Großteil ihres Gehalts verlieren und das wiederum hat heftige Konsequenzen. Wir müssen dann Insolvenz anmelden, wir verlieren das Haus, den Tierhof, können unsere Tiere nicht verpflegen usw.

Britta leidet in Folge eines Diensunfalls unter depressiven Schüben, Fatique und einer Imunschwäche. Sie ist relativ oft Krank aber nicht so oft Krank, dass eine Zwangspensionierung im Raum stehen würde. Diese Mitteilung kam daher für uns überraschend, es war ein absoluter Schock. Denn eine finanzielle Kürzung bedeutet für uns den Ruin und die Private Insolvenz.

Ich habe zwei Nächste nicht geschlafen, ich habe nur recherchiert wie man dieses Unglück noch aufhalten kann. Wir waren dann Gestern bei der Anwältin, es liegt also ein Formfehler vor von Seiten ihrer Dienstelle und es besteht eine Chance, dass das Ganze noch aufgehalten werden kann, nicht desto trotz wird, auch dann wenn wir dagegen vorgehen (was wir tun werden) das Gehalt gekürzt, wenn die Polizei nicht einlenkt und Britta als Alternative einen Telearbeitsjob ermöglicht. Auch wenn wir irgendwann den Prozess gewinnen, müssen wir Privatinsolvenz anmelden. Das heißt im Klartext ab August sind wir finanziell ruiniert.

Ihr könnt euch vorstellen, welche Konsequenzen das mit sich bringt. Unsere Tiere können nicht mehr versorgt werden, sie verlieren ihr Zuhause, ihre Sicherheit. WIR können auch unter einer Brücke leben, wir sind Menschen, wir kommen wieder auf die Beine. Unsere Partnerschaft ist unerschütterlich und unsere Tochter hat das ganze sehr gefasst aufgenommen, sie will nur einen Kirschbaum, egal wo wir wohnen. Nun das ist das kleinste Problem. Aber viele unserer Tiere sind behindert, sie aus ihrem gewohnten Umfeld zu reißen wird schon nicht einfach, die Gruppe auseinander zu reißen, wird zu einem wirklich großen Problem. Aus dem Grund ging es mir die letzten zwei Tage nicht gut. Ich sah hier unsere behinderten Tiere und war verzweifelt. Bis heute.

Heute kam dann das was ich persönlich als "geführt sein" bezeichne. Denn daran glaub ich fest, weil ich es erlebt habe.

Ich habe die letzten Stunden viel meditiert und immer wieder aufs neue gesagt das alles gut wird und wir haben hier von allen Seiten Unterstützung. Brittas Kollegen überlegen eine Unterschriftensammlung zu starten. Wir haben sehr viele Spenden in diesem Monat erhalten, unsere Tiere sind also bis August abgesichert. Heute Morgen haben wir dann entschieden das die behinderten Tiere bei uns bleiben sollen, egal was passiert.

Und dann bekam ich heute morgen das absolute Hammer Angebot. Eine weiter entfernte Bekannte, die immer verfolgt was ich über unseren Hof schreibe und auch sonst sehr interessiert ist an meinem Block usw, schrieb mich heute morgen an, dass sie mir anbietet ihren Hof zu übernehmen, weil sie gerne nach Spanien auswandern möchte. Die Tiere können alle mit, es sind genug Ställe vorhanden und Weideland. Gemeinsam mit anderen Menschen kann man hier einen veganen Lebenshof aufbauen.

Und dieser Hof liegt in Mecklenburg Vorpommern. Ein Traum von einem Hof! Eine Stunde vom Meer entfernt. Und das tolle ist, es muss nicht von jetzt auf gleich sein. Das heißt wenn Britta den Telearbeitsplatz bekommt und noch ein paar Jahre zuhause arbeitet, können wir hier in Ruhe planen, ohne Stress und dann alles in die Wege leiten um aus Hessen auszuwandern.

Das Ganze ist so unglaublich, das mir die Worte fehlen. Das einzige was dann noch gesichert werden muss, ist die Finanzierung der Tiere, auch bräuchten wir dann Leute die den Hof mit uns aufbauen usw. Aber es ist ein Traum. Und eine Alternative.

Bei all dem was seit zwei Tagen passiert, habe ich mein inneres Gleichgewicht nicht verloren, ich habe Hoffnung und ich hatte trotz Trauer und Angst das Gefühl es wird alles gut.

Die Quintessenz von all dem zeigt mir das ich nur Vertrauen haben muss in dieses Leben. Ich werde seit dem ich denken kann geführt, egal was mir passiert ist, ich kam da hindurch. Ich habe schlimme Dinge überlebt und das hier zeigt mir, wenn man das Vertrauen nicht verliert geschehen Wunder. Wir haben eine Einladung erhalten uns den Hof in aller Ruhe anzusehen und ich habe das Angebot angenommen, während Britta die Tiere versorgt werde ich mit meiner Tochter im Sommer nach Mecklenburg Vorpommern reisen. Das Leben hält wundersame Früchte bereit, man muss sie nur als solche erkennen!!

Unser Tierhof Amoa wird weiter bestehen, je nachdem wie es sich entwickelt, es wird einen Weg geben!

Es geht weiter, egal was kommt. 

Namasté

Euch allen alles liebe von der Jo

Mittwoch, 24. Juni 2015

Tagebuch - Unserem Tierhof droht das aus.

Guten Abend ihr Lieben,

Das was ich euch heute mitteilen möchte, fällt mir nicht leicht.
Einige Leute die in der Facebook Gruppe: "Hilfe für Amoa" sind, wissen bereits Bescheid.
Unserem Tierhof droht das Aus.

Meine Frau Britta hat gestern vormittag von Seiten ihrer Dienststelle mitgeteilt bekommen, dass sie Zwangspensioniert wird (wegen ihrer Krankheitsfehlzeiten, unteranderem als Folge ihres Diensunfalls), das bedeutet für uns enorme finanzielle Einbußen. Für uns kam diese Nachricht wie aus heiterem Himmel und deshalb war ich Gestern und heute Nacht die komplette Zeit über Demoralisiert und unter Druck am Recherchieren. Denn durch die Pensionierung verlieren unsere Tiere nicht nur ihr Zuhause, sondern wir müssen Insolvenz anmelden. Wir verlieren komplett alles. Denn etwa die Hälfte (oder mehr, wieviel es genau ist, wissen wir noch nicht) ihres Gehaltes wird eingezogen. Unsere komplette Existensgrundlage ist weg. Das zum gestrigen Tag.

Heute waren wir bei unserer Anwältin und haben uns beraten lassen. Kurzum es besteht noch eine kleine Chance das ganze Abzuwenden. Dennoch sieht die Situation so aus, dass wenn ein Pensionsverfahren erst mal eingeleitet wird, es nur von Seiten der Dienstelle oder durch ein Gerichtsverfahren aufgehalten werden kann. Beziehungsweise sich ein Gerichtsverfahren über Jahre hinziehen kann.
Wir und unsere Tiere haben nicht die Zeit auf diese kleine Chance zu hoffen und zu warten und aus dem Grund dieser heutige Aufruf.

Ich habe mir die komplette Nacht den Kopf zerbrochen welche Möglichkeiten wir haben um unseren Tierhof Amoa zu retten.
Mir sind auch alle möglichen Ideen eingefallen. Ich weiß nur noch nicht wie ich diese umsetze.

Noch mal kurz die Fakten:
Im Fall das Britta Pensioniert wird, bekommen wir spätestens im August nur noch einen Teil ihres Gehaltes ausgezahlt.
Weil wir mit diesem Betrag weder unser Haus abbezahlen können, noch die laufenden Verbindlichkeiten, werden wir eine Schuldnerberatung aufsuchen und (wenn kein Wunder geschieht) eine Privatinsolvenz in die Wege leiten.
Wenn das geschieht, brauchen unsere Tiere ein neues Zuhause. Unsere Konten werden eingefroren, wir haben ab da nur noch einen Minimum zum Leben übrig.

Meine Gedanken hierzu:

a) alles wird gut und Britta bekommt einen Telearbeitsplatz (das ist die kleine Chance). Ihr Gehalt bleibt, eine Pensionierung wird abgewendet. Das werden wir frühestens Anfang - Ende Juli erfahren.

b) wir brauchen ab sofort Menschen die als Sponsoren unseren Tierhof mitfinanzieren und uns so die Möglichkeit geben den Tierhof am Leben zu erhalten. Den genauen Betrag kann ich noch nicht sagen, aber wir rechnen mit 1700 - 1800 Euro die uns fehlen. Es kann mehr oder auch weniger sein, die Pensionierung ist nicht einfach zu berechnen.

c) wir brauchen ab sofort Menschen die unsere Tiere übernehmen, denn wir werden durch das uns bevorstehende insolvenszverfahren kaum Geld für unseren Lebensunterhalt zur Verfügung haben, geschweige denn Geld für unsere Tiere. Unser Tierhof löst sich auf und wir versuchen unser Leben neu zu starten. Allerdings möchte ich ein paar Dinge, ein Artgerechtes Zuhause auf Lebenszeit! KEINE Eiergewinnung der Hühner (wir haben es geschafft das unsere Hühner das Eierlegen reduziert haben), geschweige denn das sie für die Fleischnahrung dienen, das gleiche gilt natürlich auch für unsere Schafe und unsere Kaninchen. Bella und Blue müssen zusammen bleiben. Die beiden lieben sich und beide sind hochtraumatisiert (vorallem Bella). Die Katzen werden nur zu zweit abgegeben. Diese Bedingungen werden von uns schriftlich niedergelegt. Für die Hunde gilt nur jemand der wirklich weiß was auf ihn zukommt. Beide sind Angsthunde und demzufolge nicht einfach zu händeln.

d) wir brauchen Leute die unser Haus übernehmen und uns die Möglichkeit geben den Tierhof weiter zu betreiben. Heißt wir verkaufen das Haus, bleiben aber darin wohnen und zahlen eine geringe Miete, dafür bleibt alles beim Alten. (wie hoch der Verkaufspreis ist, kann ich momentan nicht sagen, darüber muss man reden. Wir werden daran nichts verdienen, da der Verkauf direkt an die Bank oder eben den Insolvenzverwalter geht.

d) wir gründen einen Verein, der das Haus dann kauft und aus unserem privaten Tierhof Amoa einen Lebenshof gestaltet. Wir bleiben weiterhin wohnen, sind ab sofort ehrenamtliche Mitglieder des Vereins.

Das sind meine Ideen. Noch nicht voll ausgereift. Manche vielleicht sogar vollkommen irrational aber bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt.

Nicht destotrotz sind wir ab August (außer es geschieht ein Wunder und unsere Anwältin kann das ganze Verfahren abwiegeln) am Ende, ab da müssen die Tiere, zumindest bis sich eine Lösung findet, versorgt sein.
Auch möchte ich, dass die Tierarztrechnungen bezahlt werden, denn wenn wir Insolvenz anmelden ist nichts mehr da um die Rechnungen zu bezahlen und das möchte ich auf keinen Fall, unsere Tierärztinnen sind Engel, sie haben uns und unsere Tiere seit Jahren selbstlos unterstützt und das meine ich Wortwörtlich.

Wie hoch die Tierarztrechnungen ausfallen gebe ich noch bekannt (ich habe die Unterlagen gerade nicht vorliegen).

So ist unsere Situation.

Gestern war für unsere Familie ein furchtbarer Tag. Heute denke ich, es geht weiter... Morgen hab ich vielleicht wieder meinen Enthusiasmus gefunden.
Aber egal was nun passiert, wir werden nie aufhören für Tiere da zu sein, wir fangen nur ein neues Leben an.


Namasté
Euch allen alles Liebe von der Jo vom Tierhof Amoa

Wer uns und unsere Tiere unterstützen möchte:

Paypal: Spenden@tierhof-amoa.de

Oder über das Konto:

Vermerk: Tierhof Amoa
Kontonummer: 204252020
Bankleitzahl: 50863513
IBAN: DE28508635130204252020
Volksbank Odenwald Johanna Schlitzkus.

Donnerstag, 10. Juli 2014

Tagebuch - Gedanken - Nur die eine Seite..



Ich halte mich eigentlich für einen reflektierten Menschen und trotzdem geht es mir oft so, dass ich nur eine Seite der Medaille überblicke und diese vehement verteidige, bis mich ein Gegenargument davon überzeugt das ich falsch liege...
Das ist heute mein Thema, es gibt immer zwei Seiten einer Medaille....

Ich habe mir gerade ein Video über einen Polizei Zugriff angesehen.

Mein Temperament ist wiedermal mit mir durchgegangen (ich muss unbedingt bald gesund werden, dann bin ich wieder ausgeglichener...), weil es einseitig und nur in Ausschnittform dargestellt wurde. Die Polizisten wurden in den Kommentaren beschimpft, teils auch Hasserfüllt.

Ich war früher selbst Punk und dementsprechend gegen alles was Uniform trug, inklusive Staat und Staatsmacht (gegen letzteres bin ich immer noch). Ich gehörte zu den Radikalen die sich in jeder Demo wiederfand und gegen die Polizei vorgegangen ist, mit Wasserbomben und co. Ich sah nur diese eine Seite und es hat lange gebraucht bis ich mir die andere Seite ansah...

Ich möchte heute mal etwas zum Thema Polizei schreiben. Ich widme diesen Text meiner Frau, die viele Jahre auf der Straße gegen Unrecht gekämpft hat. Sie wurde bespuckt, angegriffen, mit Wasserbomben und Farbbomben und noch anderen Dingen beschmissen. Sie hat Leid erleben müssen, und sterbende gesehen, sie war Psychologin, Familienberaterin und Seelsorgerin. Sie hat es ausgehalten, als ich ihr meine Geschichte erzählt habe und wir haben zusammen geweint über meine Kindheit und die vielen Jahre die ich in Gewalt gelebt habe. Sie ist Trösterin und Kämpferin gegen das Unrecht dieser Welt. Sie ist der Beste Mensch den ich je kennen gelernt habe.
Sie hat vielen Menschen und Tieren geholfen, gerettet - uneigennützig, denn das kann kein Staat der Welt bezahlen, was sie getan hat... 
Sie ist eine von vielen Polizisten die sich gegen Unrecht stellen.
Der Polizeiberuf wird bewusst in der Öffentlichkeit zurückhaltend dargestellt, das Volk wird auf Gewalt- Videos und negative Infos beschränkt. So das ein Einheitliches Bild dargestellt wird, welches den Polizisten als Machtinstrument, als roboterähnliches Monster, als Aggressivling zeigt.
Ein Polizist wird nicht als Mensch gesehen, sondern als ausführendes Organ eines Staates, ähnlich wie ein Soldat, dessen Beruf immer an erster Stelle steht.

Dieses Einheitsbild ist daran schuld, dass ich als Kind mehr Angst vor der Polizei als vor den mich missbrauchenden, misshandelnden und brutalen Menschen hatte, die meine Kindheit systematisch zerstört haben.
Wäre dieses Bild nicht, ich hätte womöglich keine 12 Jahre in Angst und Missbrauch verbracht.
In gewisser Hinsicht kann ich die Menschen da draußen verstehen, die Polizei als Negativ betrachten. Ich verstehe ihren Unmut und ihre Ängste. Aber ich wünschte mir, sie würden beide Seiten der Medaille sehen. Sich mehr informieren und auch die guten Dinge betrachten die Tagtäglich von Polizisten vollbracht werden.

Das was ihr auf den Videos seht ist eine Momentaufnahme. Viele Polizisten arbeiten mehr als 12 Stunden täglich um Menschenleben zu retten, sie arbeiten auf der Straße bei Wind und Wetter und sie tun es für uns. Denn das was sie verdienen ist ein Witz zu dem was sie einsetzen.

Ich lese oft: "Diese Beamten müssen ja nichts tun..." und ich muss dann jedesmal an mich halten, damit ich nicht gegen den PC springe. Die meisten Polizisten sind nach ein paar Jahren Berufstätigkeit total ausgelaugt, viele finden sich wieder mit der Diagnose Burn Out, oder verlieren ihren Beruf, weil sie verletzt wurden und daher nicht mehr für den Einsatz tauglich sind.
Viele Beziehungen gehen auseinander, weil der Schichtdienst das komplette Familienleben zerstört.
Von denen die ihr Leben lassen mussten, ganz zu schweigen.

Es wird oft und gerne gesagt: "Sie haben sich das ausgesucht!"
Darüber kann ich nur lächeln, es ist nur logisch, das sie genauso wenig Infos bekommen wie ihr.
Nur ist es eben die andere Seite der Medaille, die schöne Welt eines Polizisten, wird da gelegt durch ein gutes Gehalt, Beamtenstatus, Studium usw.
Wenn dann der Alltag im Beruf los geht, springen viele wieder ab. 
Weil sie es nicht aushalten. Manche bleiben, weil sie hoffen auf der Erfolgsleiter nach oben zu gehen, manche bleiben weil sie sich mit dem Beruf identifizieren, manche bleiben weil.. ... letztendlich ist es egal.
Aber leicht ist dieser Beruf nicht und oft muss man mit unschönen Dingen konfrontiert werden. Durchsuchungen in Messiwohnungen, zwischen Kacke und Unrat... den Weg der Maden verfolgen um die Leichte zu finden oder eine Leiche aus dem Wasser bergen... Das ist Alltag!

Ich wusste immer wenn Britta mit einer Leiche in Kontakt kam. Sie ging an mir wortlos vorbei Richtung Bad. Dort zog sie sich um und legte ihre Kleidung gleich in die Waschmaschine. Erst nachdem sie geduscht war, gab sie mir einen Begrüßungskuss. Sie tat das aus zweierlei Dingen, einmal um mir den Geruch einer Leiche zu ersparen und zweitens um mich nicht zu triggern, denn alles was ich aus ihrem Beruf erfuhr hätte mich triggern können.

Ich bin so unglaublich dankbar für ihre Sensibilität. Ich weiß auch noch, dass ich darauf bestand, das sie ihre Waffe nicht mit nach Hause brachte (Trotz Safe). Ich hatte so große Angst davor, weil ich als Kind Erfahrung mit Schusswaffen machen musste. Ich wollte das Ding nicht sehen, nicht anfassen, nicht damit in Kontakt kommen und mein größtes Gebet zu dieser Zeit war: "Bitte lass sie keinen erschießen!"
Und bitte "Lass niemand sie erschießen!!" Sie hat mir die Angst nie nehmen können. Aber das muss sie auch nicht. Sie sagte immer: "Es ist wichtig Respekt vor der Waffe zu haben!"

Wenn sie einmal später kam, hatte ich die Horrorvorstellung, es könnte ihr etwas passiert sein. Es war keine leichte Zeit und ich weiß, das viele Ehen ihrer Kollegen auseinander gingen, eben weil es so schwer war und ist. Manchmal zuckte ich dann zusammen, wenn es an der Tür klingelte... auch eine Horrorvorstellung war, das Draußen ein Kollege von ihr steht, der mir mitteilt sie sei im Krankenhaus oder schlimmer noch, tot.

Der Polizeiberuf ist einer der schwersten Berufe die ich kenne. Ein kleiner Fehler kann den Tod eines Menschen verursachen, das eigene inklusive.
Die Verantwortung dahinter ist sehr hoch. Es gibt natürlich Polizisten die das als Grund sehen, selbst Gewalt auszuüben, Polizisten die überfordert sind mit ihrer Arbeit und das an ihren Klienten auslassen. Das Adrenalin kann der beste Freund, aber auch der schlimmste Feind eines Polizisten sein.
Das möchte ich nicht beschönigen. Gewalt ist im Polizeialltag an der Tagesordnung und sich gegen Gewalt zu entscheiden bedeutet letztendlich runter von der Straße und rein in die Verwaltung.
Und genau da sitzt heute meine Frau.

Sie wurde oft verletzt während ihres Berufs, manchmal kam sie schlecht gelaunt von der Arbeit nachhause, denn der Druck ist groß. Die Polizeiorganisation ist eine Pyramidenorganisation. Wer auf der Straße arbeitet ist ganz unten. 

Ich bewundere sie sehr für das was sie tat, dafür das sie mir einen anderen Blick ermöglicht hat und dafür das sie für unsere Beziehung gekämpft hat. Dafür das sie meine ganz persönliche Entwicklungshelferin war.
Dafür das sie mich auffängt immer und immer wieder.
Ich habe einen Großteil meiner Angst verloren und durch sie nehme ich am Leben teil, durch sie ist das Trauma meiner Kindheit nur noch peripher spürbar.
Ich fühle mich seit 16 Jahren geschützt. Davor war ich schutzlos und voller Panik. Ich dachte an jeder Ecke könnte ein Mensch aus meiner Kindheit lauern und mich wieder und wieder missbrauchen. Die Angst saß mir all die Jahre vor unserer Begegnung im Nacken. Ganz langsam hat sie sich durch mein inneres Trauma gekämpft, sie ist mit mir Jahrelang durch mein Leid gelaufen, Hand in Hand.
Ich glaube nicht, das ein anderer Mensch diese Kraft gehabt hätte. Sie konnte es weil sie durch ihren Beruf genug Erfahrung aufgebaut hatte, um mich zu verstehen, mich zu halten.

Ich verdanke ihr unglaublich viel und ich danke ihr jeden Tag den sie mit mir verbringt. 
Ich danke ihr, dass sie nach ihrem Berufsalltag noch die Tiere versorgt und das sie seit 16 Jahren jeden Tag mehrmals anruft, einfach nur um zu wissen wie es mir geht.

Das ist mehr als Liebe, in einem Wort aussagen kann.

Durch sie habe ich wieder ins Leben gefunden. Das weiß ich. Und vor fast 7 Jahren hat sie mir das größte Geschenk meines Lebens gemacht, sie hat unsere Tochter geboren. Denn ich selbst kann keine Kinder bekommen. Ich bin durch das Trauma meiner Kindheit unfruchtbar.
All das und noch viel mehr verdanke ich einen Menschen mit diesem Beruf...

Und egal welche Videos im Internet kursieren, ich weiß es besser, denn die beste Frau der Welt, der beste Mensch den ich je kennen gelernt habe, ist Polizistin. 

Ich liebe dich Britta, mehr als ich je sagen könnte.... Du warst mein Stern in einer dunklen Nacht!!! Und auch jetzt da die Nacht ihre Tiefe der Dunkelheit verloren hat, da leuchtest du  immer noch und wirst immer leuchten. 

DANKE und Namasté 
Deine Jo 






Dienstag, 24. Dezember 2013

Frohe Festtage und alles Gute zu Weihnachten!!!



Es weihnachtet und ich wünsche euch ein besinnliches Fest und friedvolle Tage!

Alles liebe vom Tierhof Amoa und von mir eurer Jo

Ich gedenke heute aller Gänse und Hühner die getötet wurden, damit Menschen sie essen ...
Ich gedenke aller Rehe und Wildtiere die getötet wurden, damit Menschen sie essen ...
Ich gedenke aller Tiere, die getötet werden, damit Menschen sie essen ...





Mittwoch, 2. Oktober 2013

Tierschutz un(d) Dankbarkeit




Da ich nicht mehr schlafen kann, habe ich mir die Chroniken meiner Facebookfreunde angesehen und bin auf etwas interessantes gestoßen.
Das Thema Dankbarkeit im Zusammenhang mit dem was wir tun.
Gerade bei Tierschützern ist oft eine Art Bewertungssystem vorhanden,  sie tun etwas und erwarten gleich darauf ein Überschütten von Dankbarkeit.
Ich habe folgendes in einem Kommentar geschrieben:
"Was bedeutet euch ein "Dankeschön"?
Bitte nicht falsch verstehen, ich verstehe euch! Ein Danke wenn es vom Herzen kommt ist auch mir sehr wichtig und ich freue mich darüber. Aber dennoch stelle ich mir manchmal die Frage, ob ich zu viel Erwartungen an mein Gegenüber habe. Es gibt Situationen die wir nicht erkennen (und beeinflussen) können, weil wir nicht da sind. Vielleicht ist die Person der du etwas gutes getan hast, im Stress gewesen, vielleicht war sie krank... vielleicht ist ihr Danke dir nicht genug...
Warum sie sich nicht so bedankt hat, wie du es erhofft hast, weißt du letztendlich nicht. Was dich vielleicht stört ist nicht das nicht erhaltene Danke, sondern etwas ganz anderes. Wir erwarten manchmal eine Art Belohnung für etwas was wir tun, das ist ein unbewusstes, teils auch aus der Kindheit entstandenes Bewertungssystem.
Mir ging das früher genauso. Heute lege ich meine Aufmerksamkeit in das was ich tue und nicht in das was ich zurück erhalte.
Somit kann ich einfach dankbar sein, dafür das ich bin wie ich bin. Statt auf Dankbarkeit von anderen zu hoffen."


Dankbarkeit ist ein zentraler Begriff, ich lese auch oft die Worte: "Das Tier wird dir Dankbar sein"

Tiere sind nicht dankbar, sie lieben uns anders als wir Menschen sie lieben. Sie zeigen uns ihre Zuneigung anders als wir sie zeigen. Und das was wir daraus machen, ist reine Interpretation.
Ich zum Beispiel würde mich als Katzenversteherin einschätzen, bei Hunde bin ich eine totale Versagerin, hätte ich nicht meine Freundin Marie (die Hunde wirklich versteht!) an meiner Seite, würde ich überhaupt nichts über dieses Versagen wissen. Ich liebe meine Hunde, aber ich verhalte mich ihnen gegenüber wie gegenüber anderen Menschen, wie gegenüber meiner Tochter. Ich rede mit ihnen in meiner Sprache, statt ihre Sprache zu erkennen und zu verstehen.

Ich kann ihr Leid und ihre Trauer erkennen,  aber ich kann nicht erkennen was ich tun muss, um bestimmte Dinge von ihnen zu erreichen. Kurz um, ich mache auch vieles falsch in der Kommunikation mit Bella und Blue. Das ich etwas falsch mache, ist mir bewusst, wie ich es richtig mache, das muss ich erst lernen.

Der Begriff Dankbarkeit ist ein menschlicher Begriff, der im Bezug zu Tieren keinerlei Bedeutung hat. Wenn man ihr Leid verändert werden sie entspannter, sie können wieder am Leben teil nehmen. Durch ihre Freude empfinden wir ihre Dankbarkeit.
Doch ihre Freude und ihre Lebenslust leben sie nicht FÜR UNS aus, sondern für sich selbst.

Versteht ihr was ich meine??

In diesem Sinne
Seit Dankbar für eure Liebe und euer Mitgefühl, statt Dankbarkeit von anderen zu erwarten.
Das erspart euch viel Frust und Trauer und letztendlich auch die Ungewissheit auf etwas zu hoffen, das vielleicht da ist, aber das ihr in eurer Erwartungshaltung nicht erkennt...

Namasté
Eure Jo vom Tierhof Amoa.




Bildquelle: http://www.philipp-winterberg.de/dankbarkeit.php