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Mittwoch, 6. August 2014

Tierschutzorgas im Namen der Fleischlobby

Nachtrag : Gerade eben habe ich eine Petition zum Thema unterschrieben!
Hier der Link zum Artikel und der Petition:
http://cardamonchai.wordpress.com/2014/08/06/wiesenhof-hahnchen-mit-tierschutzlogo/


Wie kann das sein, das der Deutsche Tierschutzbund für Hähnchen von Wiesenhof wirbt - das und vieles mehr zeigt sehr Deutlich das Tierschutz nicht das ist, was es zu sein scheint.....


Ich bin echt entsetzt, dass die großen Tierschutzvereine, wie WWF, vier Pfoten oder eben der deutsche Tierschutzbund die Fleischlobby unterstützt indem sie sich für Werbeplakate hingeben. Das ist ein Schlag in die Magengrube jedes aktiven Tierschützers. Gerade in der Hühnermast leben die Hühner unter katastrophale Bedingungen und gerade Wiesenhof gehört zu den Mastanlagen die immer wieder in der Öffentlichkeit und unter uns Tierschützer/Tierrechtler für Aufsehen sorgen.

Ich bin dafür das man etwas dagegen tut, aber mir ist auch bewusst, dass durch einen Shitstorm  die Gegenpartei - der Bauernverband sofort aufdreht und weiterhin an Macht gewinnt.
Dennoch will ich darauf aufmerksam machen.

Wenn sich schon die großen Tierschutz und Naturschutzorgas hier einwickeln lassen, sich kaufen lassen für Profit und Gier - dann sollten sie wenigstens ehrlich genug sein, um ihr Tierschutzlabel abzugeben. DAS ist meine Meinung und je mehr dieser Text geteilt wird, desto öffentlicher wird dieses Verbrechen aus den eigenen Reihen. Wir müssen etwas dagegen tun, sonst hat unsere Arbeit keinen Sinn mehr.
Ich kann es mir nur so erklären, das Tierschutzlabel und das Spendensiegel ist ein gutes Vorzeigeschild, also bekommen diese Orgas verdammt viel Geld um das Label an die Fleischlobby zu verkaufen, die wirbt damit um zu zeigen: "Wir achten auf Tierschutz".

"Jedes Mitgeschöpf hat Anspruch auf Unversehrtheit und ein artgerechtes Leben. Wir wollen, dass dieser Anspruch für alle Tiere verwirklicht wird – in der Wirtschaft, der Forschung, im Privathaushalt und wo immer der Mensch mit Tieren Umgang hat. Wir wollen, dass Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen geschützt werden. Tier-, Natur- und Artenschutz sind für uns untrennbar miteinander verbunden. Der praktische Einsatz zum Wohl aller Tiere und die Förderung des Tier- und Naturschutzgedankens sind zentrale Aufgaben des Deutschen Tierschutzbundes.“

Das ist der Lei(d)spruch vom DTB (deutschen Tierschutzbund) und diesen Leitspruch vereint er mit der Zusammenarbeit mit Wiesenhof?
Wo liegt darin der Sinn und wer profitiert wirklich davon?
Sind es die Tiere oder die Fleischlobby...

Steht auf! Und deckt auf!



Es wird Zeit das die großen Orgas erkennen in welchem Wiederspruch sie arbeiten.
Es kann nicht angehen, das Firmen wie Wiesenhof und co. durch die Werbung von Orgas wie den deutschen Tierschutzbund  entschuldigt  und gedeckt werden. Der Verbraucher muss erkennen, welchem Irtum er hier aufsitzt..
Es darf nicht sein, das wir Tierschützer und Tierrechtler in den Verruf kommen, Massentierhaltung zu tolerieren.

Es ist ein Verbrechen an unserer Arbeit und ein noch größeres Verbrechen an den Tieren die so dringend die Unterstützung von uns benötigen.

Wiesenhof zum Beispiel betreibt Qualzucht, die Enten können sich nicht alleine auf den Beinen halten. Die Wiesenhof Farmen geraten seit Jahren immer wieder in die Schlagzeilen.



Fakt ist, es ist auch ein Betrug an dem Verbraucher. Denn wenn er liest: WWF unterstützt die Fleischwaren von Edeka, geht ein weniger skeptischer Mensch davon aus, dass die Tierhaltung überprüft wurden und  die Tiere gut gehalten werden.  - die Wahrheit sieht jedoch komplett anders aus, es treffen sich die höchsten Bosse zweier Firmen, die eine Firma ist im Vorstand von ... sagen wir mal WWF, die andere im Vorstand von Edeka. Am Ende der Unterhaltung entsteht ein Vertrag.
Die Wahrheit ist, das viel Geld über die Konten fliesen. Die Wahrheit ist, das jeder davon profitiert. Die Wahrheit ist, dass sie über Leichen gehen, denn die einzigen die hier verlieren sind die Tiere, die keinen interessieren.

Ich ärgere mich jeden Tag darüber, das Menschen Bodenhaltungseier kaufen, ich ärgere mich darüber das Wiesenhofhähnchen über die Ladentheke gehen. Immer noch ist es nicht angekommen beim Verbraucher, das die Bodenhaltung nicht viel "besser"  ist als Legebatterie. Man gibt dem Ganzen nur einen besseren Namen, doch für die betroffenen Tiere macht es keinen Unterschied.

Ich möchte es in die Welt hinaus schreien - Fangt endlich an Verantwortung zu übernehmen, damit solche Vereine wie WWF und DTB endlich begreifen, dass sie ihre eigenen Prinzipien verraten. Das solche Firmen wie Wiesenhof endlich begreifen, dass der Verbraucher ein Auge auf sie hat. Das der Mensch endlich begreift, dass ein Tier ein fühlendes Lebewesen ist.

Es wird endlich Zeit das sich hier etwas verändert!!!

In diesem Sinne:

Mensch wach auf!!!

Die Jo vom Tierhof Amoa.



Quellen:
http://www.focus.de/finanzen/news/unternehmen/gefluegelzuechter-erneut-am-pranger-tierquaeler-skandal-bei-wiesenhof-lieferanten-huehner-landen-lebendig-im-muell_aid_1090411.html

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/staatsanwaltschaft-ermittelt-razzia-bei-wiesenhof-1.1344089

http://www.peta.de/wiesenhof#.U-HZiPl_v3E


Zum ersten Bild: Kevin Rado
Es zeigt eine Zusammenfassung der Werbung der Fleischindustrie mit unterschiedlichen Tierschutzorgas. In der Mitte sieht man ein Bild aus einer Demo über Massentierhaltung, danach sind die Demonstranten zu Mc Donald um sich einen Burger zu holen. Die Frage ist also wirklich berechtigt: "wer arbeitet hier für wen?"

Zum zweiten Bild: Es zeigt eine aktuelle Werbekampagne von Netto. Und wenn man sich den Preis des Hühnchens rechts im Bild anschaut, wenn klar was ein Tier heute noch wert ist...


Dienstag, 8. Juli 2014

Tierleid auf Rädern



Mehr als 188 Millionen Tiere werden Jährlich europaweit transportiert. Während ihres kurzen Lebens müssen die Tiere oft  mehrere Transporte innerhalb Europas und darüber hinaus über sich ergehen lassen. Man sieht diese Transporter oft auf Rastplätzen im Sommer in der senkenden Hitze und im Winter bei Minusgraden stehen, während die Fahrer sich ausruhen, überleben viele der Tiere diese Tortour nicht, einige sterben im Sommer an Hitzschlag oder Herzinfarkt oder sie verdursten.
Im Winter erfrieren sie oder sterben genau wie im Sommer am Durst. Wenn die Fahrer von der Polizei angehalten werden, bekommt man oft zu hören: "Die sterben doch sowieso!"
Gerade das Leid dieser Tiere ist Grenzenlos, sie sind bereits tot sobald man sie in die Transporter treibt, ab da gibt es kein Zurück.

Jojo hat die obigen Bilder heute fotografiert und mir erlaubt sie hier auf meinem Blog zu veröffentlichen. Er hielt heute an einem Parkplatz und stand vor einem solchen Transporter. Sein Erleben beschreibt er im nachfolgenden Text.

Ein Blick durch einen der Schlitze zeigte nur einen kleinen Teil der dort eingepferchten Tiere.


Jojo:

" Ich hatte an einem Rastplatz an der A9 gehalten und ging dort auf das WC, als ich wieder raus kam, stand da dieser Transporter. Ich hatte gehofft das dieser leer ist, aber als ich näher kam hörte ich sie schon. Ferkel die kreischten und schrien. Kein Grunzen, es war nur ein Schreien. Ich ging an einem Luftschlitz um etwas zu sehen, mir kam ein heißer Dampf und ein beißender Gestank entgegen von dem ich außerhalb des LKWs schon beinahe umgefallen bin. Ein paar Schweine versuchten durch die Lüftungsschlitze zu atmen, andere lagen einfach regungslos am Boden, total eng gequetscht bei,- und aufeinander. Es war das totale Ohnmachtsgefühl ihnen nicht helfen zu können. Die Angst stand ihnen in den Augen geschrieben. Noch Stunden danach ist mir Kotzübel, wenn ich daran denke, dass sie in dieser Höllenfahrt wahrscheinlich das erste und letzte Mal Tageslicht gesehen haben und sie jetzt in ihrem kurzen qualvollen Leben auch noch einen qualvollen Tod sterben müssen. Es hat mich stark an Deportationszüge aus Dokumentationsfilmen der NS-Zeit erinnert. Daneben saßen übrigens um die 20 Leute an den Tischen und kauten fröhlich an ihren Wurstbrötchen. Ob sie wussten, dass diese um Angst und Hilfeschreienden Babys neben ihnen, das waren, was sie gerade Essen? - Keine Ahnung.
Auf jeden Fall mehr als Abartig und Pervers... Die Ferkel waren durch den wenigen Sauerstoff so schwach, sie haben zwar geschrien als ob ihnen richtig etwas weh tut, aber viele lagen einfach nur mit halboffenen Augen auf dem Boden..."

Die Vorschriften für Viehtransporte wurden im Mai 2014 noch einmal überarbeitet, doch leider ändert das nichts für die Tiere die auf ihren letzten Weg zum Tot fahren. Einen Höllentrip auf Rädern.

Meinen tiefen Respekt an Jojo der nicht wegsah, sondern hinsah und diese wenigen Augenblicke in Text und Bildern festhielt.

Danke das du uns daran teilhaben lässt.

In traurigen gedenken an die kleinen Ferkel ....

Namasté

Eure Jo





Bildquelle und Copyright: Jojo G. (den kompletten Namen darf ich aus Datenschutzgründen nicht veröffentlichen).
Weitere Informationen zu Tiertransporte:
http://www.tierschutzbund.de/tiertransporte.html
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/147/1714718.pdf


Donnerstag, 3. Juli 2014

Tagebuch - Gedanken zum Tierrecht....

in Verbindung zum Buddhismus...

Heute hatte meine Frau Geburtstag also haben wir uns kurz entschlossen nach Frankfurt zu fahren, wir waren mit unserer Freundin Marie im EdelKiosk Frühstücken, Anna hat was super leckeres für uns gemacht, nämlich veganen Flammkuchen... echter Hammer, zum Nachtisch gab es einen Kirsch-Schoko Muffin. Danach wollten wir eigentlich nach Hause fahren und arbeiten. Aber da dachten wir uns, wenn wir schon mal in Frankfurt sind können wir auch mal kurz nach Bornheim, ins Veganz  fahren. Dort haben wir dann die Nahrungsmittel eingekauft, die wir sonst nirgends bekommen (und bestellen müssten) und jeder hat ein veganes Eis gegessen. Natürlich selbstgemacht. Ich hatte ein Gurken-Ingwer-Minz Eis, nachdem ich meine Frau probieren ließ, hat sie das gleiche Eis mit Chiasamen genommen... SUPER LECKER - ich weiß es liest sich eigenartig, aber ich habe wirklich noch nie so ein gutes Eis gegessen, ich war hin und weg. Shaya hatte ein Beereneis mit Kokos und Schokosauce, was sie ebenfalls super lecker fand ("viel besser als ein Eis mit Milch"!!!) Danach sind wir noch mal kurz beim Biospahn-Vegan vorbei  - es war uns alles zu "Vleischig" trotz Vegan. Aber es war interessant zu sehen, was man für vegane Alternativen  herstellen kann und das es letztendlich nicht vom Fleisch zu unterscheiden ist. Und dann waren wir noch kurz in einem Kleinen Veganen Kaffee (ich habe den Namen leider vergessen) super süss eingerichtet, ganz in Weiß und sehr fein... ich habe dort nur einen Latte to Go mit Haselnussmilch mitgenommen. Wir waren einfach vom Edelkiosk und vom Eis so satt. Unsere Tochter ist dann im Auto eingeschlafen und ich war kurz davor.

Solltet ihr aus der Nähe von Frankfurt sein, es lohnt sich wirklich einen Auflug zu machen, alleine das Edelkios (das erste vegane Kaffee in Frankfurt) ist schon ein kleiner Ausflug wert. Ich war bisher (glaub ich) drei mal dort und jedesmal hatte ich das Gefühl, ich sitze in einem Wohnzimmer und lasse den Tag verstreichen, mal unterhält man sich mit anderen Veganern, mal liest man eine politische Zeitung oder stöbert in den vielen Büchern. Nach dem Frühstück fühle ich mich gestärkt und irgendwie voller Energie. Ich liebe es!!!

Ein toller Geburtstag geht nun zu Ende... Frankfurt ist für uns wie eine andere Welt. Ich tauche ein und komme wieder hervor, teils Müde aber voller Eindrücke. So haben wir gemerkt, das sich wieder alles mögliche Verändert hat. Die Stadt wächst täglich und es gibt mittlerweile so viele Vegane Restaurants (in denen wir nicht waren), Ein kleines Schlaraffenland für sich. Ich habe vor vielen Jahren in Frankfurt gewohnt, ich kann mir das nicht mehr vorstellen in Frankfurt zu leben. Die Wolkenkratzer erscheinen mir immer großer und voluminöser und ein ausgefallener Glasbau steht neben dem nächsten. Die Straßen sind voller Menschen und Autos und es riecht in jeder Ecke anders. Wenn ich in  Bornheim auf der Bergerstraße  laufe komme ich mir vor wie in Palma oder einer anderen südländischen Stadt. Überall sitzen Leute an kleinen Tischen. Eine Frau saß mit einer Föhnhaube auf einer Bank und telefonierte, während hinter ihr der ganz normale Friseuralltag weiter ging. Für mich Landei ist es, als würde ich in eine andere Welt eintauchen, eine geschäftige stressige Welt voller Menschen und Essen und voller Geld das über die Ladenkassen fließt.

Im Edelkiosk unterhielt ich mich mit einer Frau die in einer WG wohnt und dort für ein 20qm großes Zimmer über 300,- Euro zahlt. Ich zog geschockt die Luft ein, für so viel Geld bekommt man bei uns eine komplette 2 Zimmer Wohnung von 60qm. Sie sagte, das es billig sei, ich fühlte mich wie ein Alien aus einer anderen Galaxie. Auch erfuhr ich zu meinem Entsetzen, das Taubenzüchter ihre Tauben hunderte Kilometer entfernt von ihrem Zuhause aussetzen, damit sie einen Wettkampf gewinnen können, wenn die Stärkste wieder den Weg in ihren Bau findet.  Viele dieser Tiere schaffen den Flug nicht und sterben qualvoll. Ich musste mehrfach schlucken, ich hatte Tränen in den Augen, ich schluckte sie runter. Meine Frau fragte dann später: "Was hast du denn gedacht, warum Tauben gezüchtet werden?" und ich sagte leise... "Weil man die Tauben mag, weil man es liebt, dass sie in Formation über das eigene Dach fliegen...". Meine Frau sah mich lächelnd an, wie man ein Kind tröstend anlächelt, dann strich sie mir über den Arm. Ich kenne das von unseren Tauben hier im Ort, sie fliegen täglich über die Dächer, umkreisen unseren Ort und fliegen dann wieder nachhause. Ich fühlte mich so dermaßen Naiv und wieder tut sich ein Abgrund auf und wieder fühle ich diese Trauer in mir, die mich immer mehr von Menschen entfernt.

Als wir hier wieder ankamen, verstand ich noch mal um so mehr, den Ausdruck meiner Frankfurter Freundin die immer mal wieder sagt: "Ihr seid meine Insel" Ich kam hier an und eine Ruhe empfing mich. Der Odenwald lullte mich mit seiner Schönheit ein und ich hatte das Gefühl wieder da zu sein, in meinem Zuhause, in meiner Ruhe und meiner Gelassenheit. Ich habe, kaum das ich hier war, meine Klamotten gewechselt, die Frankfurter Schnelligkeit und Lautstärke, gegen die Ruhe hier...

Ich bin Daheim!

Dennoch fühle ich in mir den Zwiespalt der immer größer wird, das eine ist meine Religion, der Buddhismus, das andere der Kampf um die Rechte der Tiere. Der Spalt der sich auftut, hinterlässt in mir ein Gefühl von Einsamkeit. Ich bin wütend und traurig und ich weiß nicht wohin mit diesen Gefühlen.
Ich merke immer mehr, das ich ein Mensch wie jeder andere Mensch bin. Auch in mir schlummert die Gleichgültigkeit gegenüber unseren Mitlebewesen, in dem Fall den Menschen.

Je mehr ich über den Missbrauch unserer Mitlebewesen der Tiere weiß, desto mehr fühle ich Wut in mir, ich fühle mich in die Pflicht genommen, etwas dagegen zu ändern. Die gleiche Frau die in der WG lebt, lehnt Vegane Ernährung ab. Ich habe sie gefragt, ob es daran, liegt, dass sie zu wenig Empathie den Tieren gegenüber nicht empfindet und sie sagte, das kann schon sein.
Es war ein gutes - nicht abwertendes Gespräch.
Aber  ich fühlte Unverständnis. Je mehr ich mich mit meiner veganen Ernährung auseinander setze, desto mehr fühle ich Unverständnis Menschen gegenüber.

Ich schließe mich da noch nicht mal aus, denn auch ich bin ein Mensch.
Auch wird mir bewusst, das ich nicht mehr für Menschen kämpfen kann, ich kann mich nicht mehr schützend vor sie stellen, weil mir einfach die Energie fehlt, die ganz klar in eine andere Richtung fließt, nämlich hin zu anderen Geschöpfen, den Tieren.
Ich merke ich mache einen Unterschied, den ich vor kurzen noch nicht gemacht habe.
Und das bringt mich dazu meinen Glauben zu überdenken. Mich noch einmal intensiv damit auseinander zu setzten.

Auf der Fahrt nachhause habe ich mich selbst überprüft, ich dachte darüber nach, ob ich mich überhaupt noch Buddhistin nennen darf. Weil ich Wut empfinde und Trauer und sich all das gegen die Fleischessenden und Leid ignorierenden Menschen richtet. Ich dachte darüber nach ob sich all diese Gefühle mit dem Buddhismus vereinen lassen, oder ob es mich letztendlich trennt und ich die Konsequenzen ziehen muss. 
Ich kam zu einem interessanten Ergebnis.

Ich glaube es ist wichtig, all das was ich empfinde und wahrnehme, dass ich die Wahrheit hinter dem Spiegel der Oberflächlichkeit erkenne - wichtig für meine spirituelle Entwicklung ist. 
Auf den einen Blick trennt es mich - doch dann macht es bewusst, das Buddha ähnliches erfahren hat. Er hat das Leid mit eigenen Augen gesehen, er hat mitgelitten als ihm bewusst wurde, das es auch dann geschieht, wenn er versuchte es aufzuhalten.
Und doch ging er weiter, suchte nach Möglichkeiten.

So hat sich die Lehre des Buddhismus entwickelt. Um etwas zu verstehen, muss man es erfahren, man muss hinein und hindurch gehen um die Wahrheit zu erkennen. Vielleicht ist Buddha anders damit umgegangen als ich, die ich laut brülle und meinen Rotz und meine Tränen  in Texte einbinde und so versuche etwas im kleinen zu verändern.
Ich erlebe eine Trennung in meinem Bekannten und Freundeskreis. Einige Leute haben sich verabschiedet, mir wurde Fanatismus vorgeworfen, oder Diskriminierung, Dogmatismus, Kompromisslosigkeit, Gutmenschentum usw.
Bei all dem merke ich, es stimmt in gewisser Hinsicht. Mein Dogmatismus ist die Wahrheit zu erkennen und gegen Windmühlenflügel zu kämpfen. Meine Frau sagte auf der Fahrt: "Du wirst nicht viel ändern können!" Und ich sagte: "dann ackere ich solange bis ich etwas verändert habe!"

Letztens schrieb mir eine Frau, ich sei ihr Vorbild, weil ich meine Schwächen zugebe. Ich musste erst Lachen, weil ich dachte: "Ach je du kennst mich nicht!"
Auf der Fahrt nachhause dachte ich... eigentlich ist es schön ein klein wenig Vorbild zu sein. Wenn das mein Weg ist im Buddhismus, im Tierschutz und um für ein anderes besseres Tierrecht zu kämpfen, dann habe ich doch schon einiges erreicht. Die Tränen waren nicht umsonst.

Der Schmerz das Leid dieser schutzlosen Lebewesen zu erkennen und darüber zu berichten.. all das ist nicht umsonst, wenn irgendwo auf dieser Welt ein Mensch sitzt der dahinter mich sieht, auch ein Mensch mit Schwächen und trotzdem sagt: "Du bist mein Vorbild".Vielleicht hat sie mich ja doch gesehen. 
Dann kann das was ich tue, nicht ganz so verkehrt sein... 

Ich lächel dem Buddha zu und denke innerlich... vielleicht ist das mein ganz persönlicher Weg zur Versöhnung mit den Menschen und zum Mitgefühl für all jene die noch weit davon entfernt sind Tiere als Gleichwertig anzuerkennen.
Vielleicht ist mein Weg ein einsamer Weg weil ich Wütend bin und Traurig und erkennen muss, jeden Tag aufs neue, das meine Wut berechtigt ist.

Es gibt Tage da fühle ich mich schwach und hilflos, dann möchte ich nichts mehr hören und sehen. Blind und Taub auf einer Wolke sitzen fern von anderen Menschen. Ich fühle in mir ein Gefühl von Hass und könnte dagegen Schreien. Weil wieder ein Tier misshandelt wurde, weil wieder ein Tier ausgesetzt wurde. Wieder wurden zig Tausend Schweine in kleinen Metallkästen gehalten und da gibt es Menschen die das gutheißen, die mir erzählen, das es richtig ist, diese Schweine so zu halten.
Wieder wurde eine Taube gefunden, ausgedurstet und ausgehungert und nur der Gang zum Tierarzt kann ihre Qual beenden. Wieder wurde eine Katze geschlagen und getreten. Wieder wurde ein Pferd augepeitscht weil es nicht schnell genug lief. Wieder wurde einer Kuh das Kälbchen weggenommen und man hört ihr Schreien noch kilometerweit. WIEDER und WIEDER...
Ich sehe all das und ich frage mich seit geraumer Zeit, warum ich überhaupt noch laufe, warum ich noch atme, warum  ich überhaupt noch Lebe. 
Eigentlich müsste ich bei all dem was ich in meinem Leben erlebt habe und all das was ich weiß...eigentlich müsste ich schon längst ein Fall für die Klapse sein.

Ich frage mich, warum ich das Leid überhaupt ertrage, ich bin feinfühlig und hochsensibel, ich rieche Dinge die andere erst riechen wenn sie mit der Nase darauf gestoßen werden. Ich fühle den Schmerz anderer Lebewesen als wäre es mein Eigener.


Gestern hat Bommel ihre Welpen bekommen, ich war bei der Geburt dabei, ich habe zwei Stunden auf dem Boden gesessen und auf sie gestarrt, ich habe jede ihrer Wehen miterlebt. Als alle 6 Kätzchen auf der Welt waren bin ich wie erwacht aus meiner Konzentration. Einem musste ich das Gesicht abwischen, weil Bommel so erschöpft war, das sie es erst mal liegen ließ. Es atmete danach und dann konnte sie sich auch darum kümmern. Es war eine gute Geburt.

Doch danach sah ich die kleinen Würmchen an und dachte: Scheiße und das alles nur, weil dich Leute ausgesetzt haben, weil sie dich nicht kastrieren ließen.... Da war die Sorge um meine kleine Bommel, deren ältere Welpen gerade einmal wenige Wochen alt sind. Und gleichzeitig sah ich das neue Leben, das sich zaghaft bewegte, ich sah wie in den kleinen Körpern die Herzen schlugen. Ich fühlte mich so unglaublich voll von all dem. Die Trauer, das Glück, die Sorge, die Wut... all das stürmte auf mich ein, ich wusste nicht wohin mit mir. Jedes Geräusch war zu viel und doch sehnte ich mich nach dem Leben da draußen. Ich hatte eine üble Laune.

Da wurde mir auf einmal bewusst warum ich Leid ertragen kann, weil es immer zwei Seiten gibt.
Die eine Seite ist durch meine Ernährung kein Konsument mehr für die Fleisch und Milchindustrie zu sein. Ich merke ja an den Kommentaren und Artikeln wie sehr gegen die vegane Ernährung vorgegangen wird und gleichzeitig sehe ich wie immer mehr vegane Restaurants und Kaffees in Frankfurt auftauchen. Es ist eine Gegenbewegung die nicht mehr aufhaltbar ist. Die Welt verändert sich.
Und genau durch diese Veränderung wird das Leid noch sichtbarer. 
Diese beiden Seiten gehören zu einer Medaille. 

Ich glaube fest daran, das ich irgendwas tun kann um Leid aufzuhalten. Ja ich bin Naiv, aber ich erfahre tag täglich mehr und mehr Realität. 

Und ich begreife das nur ein Ort wie dieser hier im Odenwald. Dieses DAHEIMSEIN und Ankommen mich schützt vor dieser Realität. Ein winzig kleiner Ort an dem ich Mensch mit Tier sein kann.
An dem ich sehe das es geht, das Tiere mit Menschen zusammen leben können und alt werden können.
Gäbe es unseren Tierhof nicht, wäre ich vielleicht immer noch Vegetarierin.

Wer weiß schon was wäre wenn ...

Aber ich weiß, was ist weil...

Und genau deshalb hat diese Wut, die eigentlich konträr zu meiner Religion steht einen Sinn, sie lässt mich weiter Erfahrungen sammeln, sie lässt mich Wahrheit erkennen und mich Schmerz ertragen und sie lässt mich hinsehen... 

Ich brauche die Wut um nicht zusammen zu brechen.
Das ist mir jetzt bewusst.

In dem Sinne 
Wut ist nur dann produktiv, wenn man sie gewaltfrei  für Wesen einsetzt, die den Frieden dringend nötig haben. 
Namasté eure Jo 

PS: eben habe ich noch erfahren, das ein Kater gefunden wurde, dessen Kiefer gebrochen war, dessen Zunge entfernt wurde. Ich könnte Kotzen, weil ich keinen Platz mehr für noch eine Katze habe... und ich wünschte es wäre anders...