Freitag, 9. August 2013

Der Mensch isst...



In der letzten Zeit stelle ich sehr oft fest, dass sich die aggressiven Diskussionen zum Thema: Vegane Ernährung und Veganes Leben häufen.
So standen die Kommentare Kopf bei einem Artikel in der Zeit online  über eine Familie die sich Vegan ernährt.

"...Was ist das denn für eine verlogene Philosophie! Diese Familien sieht man oft in Berlin. Krasse Namen, Babybreikochkurs, Vegan, grün Wähler und DICKER GELÄNDEWAGEN ..."

"vom Guru überzeugt werden, das zeigt den religiösen Charakter dieser Mangelernährung, namens Vegan"

"Die armen Kinder!"

"In ihrer Welt würden Kühe überhaupt nicht am Leben sein. Überhaupt keine Nutztiere. Glauben sie im Ernst Vegan ist Moralischer?"

4 Kommentare die EINE Meinung repräsentieren.
Deren Inhalt nur aus Intoleranz, Angst, Misstrauen und Aggression besteht: Verzicht!

Fast jede aufflackernde Veränderung wird erst einmal mit vehementer Ablehnung beantwortet. So war es schon immer in unserer Welt. Menschen gehen auf die Straße, weil sie keine Gleichberechtigung wollen, Kirchengemeinden versammeln sich um gegen die sogenannte "Homoehe"* zu protestieren. Fleischesser kommentieren unter Artikeln: "Die armen Kinder, die schrecklichen Veganer!"
Sie ignorieren das Tierleid, konzentrieren sich vielmehr auf diejenigen die sich für ein anderes Leben entscheiden. Sie gehen so weit um zu brüllen: "Wir zeigen euch an, wir gehen zum Jugendamt!"
Wenn Kinder im Spiel sind.

Sehen wir uns doch mal ein anderes Leben an, das Leben eines Fleischessenden Kindes:

Wenn Mama nicht mehr stillen kann/will/darf, bekommt es Folgemilch. Die Milch wird industriell hergestellt, man sieht führende Hersteller von Hipp und Nestlé an vorderer Front.
In vielen Foren zum Thema: Babyernährung findet man solche Eintragungen:

"Meinem kleinen reicht die Folgemilch nicht, er nimmt zu, hat aber trotzdem Hunger!"

".. es hat Bauchweh und Blähungen, ich musste sogar ins Krankenhaus fahren!"
usw.

Gebt doch mal bitte in Google ein: "Nebenwirkungen der Folgemilch", dann gebt ein: "Milchunverträglichkeit".

Ihr werdet schnell feststellen, das viele Babys entweder mehr Milch brauchen als auf der Packung beschrieben, und/oder schneller zunehmen, Probleme wie Bauchweh, Erbrechen, Blähungen haben usw. Die Seiten sind voll davon.

Gehen wir ein Stückchen weiter. Das Baby ist nun Kleinkind, es bekommt seine ersten Gläschen Hipp Nahrung. Fleischessende Eltern sind oft davon überzeugt, das es wichtig ist tierisches Eiweiß zu sich zu nehmen und kaufen dementsprechend Fleischgläschen.
Wenn man auf die Webseite von Hipp geht, bekommt man nur einen winzig kleinen Einblick in die Zubereitung.
Mütter erfahren, dass das Fleisch aus der Bio-Haltung kommt, das das Gläschen Rapsöl enthält, keine Milchprodukte, kein Salz und Glutenfrei ist.

Interessant ist, dass diese Fleischgläschen auch Katzenhaltern empfohlen werden, deren Katze eine Niereninsuffizienz haben und dementsprechend eine Phosphatniedrige Ernährung brauchen.

Ich habe noch nicht herausgefunden, wie viel Phosphat in solchen Fleischgläschen enthalten ist, aber ich weiß, dass beim Menschen der Überschuss an Phosphor im Blut fast schon normal ist. Dieser Überschuss stört die Magnesiumverwertung und führt zu Störungen im Calziumhaushalt. Osteoporose . Nierenprobleme, Schilddrüsenerkrankungen, Calziummangel. Das sind die Erkrankungen des 21 Jahrhunderts.
Phosphat ist zum Beispiel in Fleisch, Fisch, Käse, Fertiggerichten, Stabilisatoren und Verdickungsmitteln (E338, E339, E340, E341, E345), Cola, Käse und Wurst enthalten.

Die Nahrung eines Babys enthält also niedrigen Phosphor.

Im Laufe der nächsten Monate verändert sich das jedoch. Spätestens mit eineinhalb Jahren fangen Kleinkinder an, mit am Tisch zu sitzen und das kleingemantsche Essen der Eltern zu essen.

Der durchschnittliche Fleischkonsum pro Kopf und Tag:





Der durchschnittliche Gemüse und Obstkonsum pro Kopf und  Tag:




Anhand dieser Darstellungen kann man erkennen, das bereits Kinder von klein auf (die ähnlich ernährt werden wie Erwachsene) viel zu wenig Obst und Gemüse, dafür viel zu viel Fleisch und Wurst erhalten. 

Für ein Kind ist der Fleischkonsum normal, selten erfahren Kinder woraus ihr Essen besteht und wie ein Tier getötet wird, dessen Fleisch auf dem Teller liegt.
Kinder werden von Anfang an Informationsarm erzogen, statt ihnen Bewusst zu machen, WAS Nahrung bedeutet, wird ihnen eine Heile Welt gezeigt, Zootiere, die friedlich und angeblich glücklich hinter Gittern leben, Zirkustiere die scheinbar ganz von alleine und voller Freude Kunstwerke vollführen.
Kinder werden mit dem Bauernhof konfrontiert, durch bunte Bilderbücher und lachenden Schweinen.

Sie erleben eine Scheinwelt, ein Paradies für Tiere, deren Leben hinter Mauern und Zäunen statt findet. Haustiere mit denen man kuscheln kann und die ins Tierheim (wenn sie Glück haben) gebracht werden, wen ein Kind krank wird. 

Die Kinderwelt eines fleischessenden Kindes ist ein Schlaraffenland, es ist die Welt der Erwachsenen die die Realität für ihre Kinder verleugnen. Dass ein Kind belogen und betrogen wird, das will kaum ein Erwachsener wahr haben. Das Kinder sehr wohl in der Lage sind (ab einem bestimmten Alter) zu begreifen, was sie essen und woraus das Essen besteht, auch das will kein Erwachsener wahrhaben. 

Aus den Kindern die vollgestopft werden mit Fleischnahrung, werden Erwachsene die ihr Konsumverhalten mit den Worten entschuldigen: "Es wahr schon immer so und aus dem Grund ist es normal!"

"Fleisch ist Bestandteil unseres Lebens!"
"Fleisch braucht man, sonst hat man Mangelernährung!"
"Ohne Fleisch wirst du krank!"
"Die armen Kinder die kein Fleisch essen dürfen!"

Von Kind an, bekommen Erwachsene klar gemacht, das die Welt in der sie leben, eine richtig gute Welt ist. Und zu diesem Weltbild gehört natürlich auch die Erziehung und die Ernährung. Ernährung ist Lebenswichtig, ohne Nahrung sterben wir.
Ein Kind lernt somit sehr früh, wie eine Ernährung auszusehen hat und zu einer "guten" Ernährung gehört eben auch Fleisch, Wurst, Milch und Käse. Die wenigsten Kinder wissen wie eine Mango schmeckt oder pflücken selbst angebaute Erdbeeren. Ein deutsches Kind erfährt in welchem Regal Cola zu finden ist und wo es Fleischwürste zu kaufen gibt. Die CMA (Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft) suggeriert in ihrer Werbung: "Fleisch ist ein Stück Lebenskraft" und mit Dieter Bohlen ist "Bruzzler: "Ober Super Lecker und unbedingt mein Ding" 

Ein Kind bekommt keine Werbung über Massentierhaltung und Eier von Legebatterie - Hühnern zu sehen, es erfährt nur das was es Erfahren darf, eben das "Bruzzler" Ober Super Lecker ist und man Fleisch braucht um zu leben.

Und genau aus dem Grund drehen gerade Reihenweise Politiker und Normalverbraucher auf, weil die Grünen einen fleisch freien Tag in den Kantinen fordern.
EINEN TAG!!!

Die Kommentare sind zahlreich, der Bürger fühlt sich bevormundet, unfrei. Es laufen Beschimpfungen durch das Internet, Diskussionen werden entfacht: "Ihr könnt mich mal, ich lass mir mein Steak nicht nehmen!" schreibt da jemand quer über den PC.


Besonders die FDP (Fdp liberté - Facebook Kampagne) ist gegen den "Veggie-Tag" der Grünen auf Kriegspfad gegangen:



Die Grünen sind gerade in aller Munde. Ihr Wahlprogramm spricht Bände, sie wollen die Massentierhaltung abschaffen, das bedeutet für den deutschen Bürger, mehr Biofleisch, höhere Preise.
Das damit auch Leid verhindert wird, wird ignoriert. Hauptsache die Kasse stimmt und es ist noch genug übrig um sich seine tägliche Ration: "Schnitzel, Steak, Salami, Hack usw" aus einer Massenproduktion zu gönnen.


"Der Mensch ist das was er isst": das berühmte Zitat von Ludwig Feuerbach hat mittlerweile eine traurige Präsens erhalten. Der Mensch isst sich psychisch und physisch krank und ist sich dessen vollkommen bewusst.  Wir ignorieren den Werde - und Sterbeprozess unserer Mitlebewesen, wir ignorieren ihr Leid, auf Kosten unserer ungesunden Ernährung. Mitgefühl wird möglichst klein gehalten, Zivilcourage ist nur ein Wort im Duden

Wir fangen als Baby an und hören kurz vor unserem Tode auf. Wir lernen ein egoistisch, egozentrisches Verhalten, der Mensch steht über allem und vor allem über dem Tier.

Die einzige Möglichkeit etwas zu ändern, ist auf Dauer seine Ernährung zu verändern. 

Die einzige Möglichkeit etwas zu ändern, ist einem Kind kindgerecht und realitätsnah die Tierwelt näher zu bringen, so das es als Erwachsener wirklich entscheiden kann, mit aller Konsequenz, ob es Fleisch isst, oder sich Vegetarisch/Vegan ernährt. Ob es in den Zirkus geht, oder diesen meidet.

Ein Mensch der weiß was er isst und woher das Essen stammt, wird ein besseres Verständnis für unsere Welt aufbringen können und für die Wesen die darauf leben.
Aus dem Grund ernähren wir unsere Tochter Vegetarisch/Vegan. Wir erzählen ihr keine Lügen, von lächelnden Schweinchen und glücklichen lila Kühen.
Sie weiß mit ihren 5 Jahren, das Tiere sterben müssen, damit Menschen Fleisch essen können.
Sie weiß, dass die Kälbchen den Kühen weggenommen werden, damit Menschen Milch, Käse und Eis essen können.

Sie hat jetzt schon die Möglichkeit zu entscheiden, ob sie Eis isst oder nicht. Wir verbieten es ihr nicht, aber wir machen ihr auch nichts vor.

Wenn sie Erwachsen ist, hat sie die Möglichkeit ihr Leben so zu gestalten wie sie es möchte. Egal ob sie weiterhin Vegetarisch/Vegan lebt, oder Fleisch isst und Milch trinkt. Sie wird sich dessen immer bewusst sein und sie wird auch wissen, welche Konsequenz das für unsere Mitlebewesen hat. 

Amoa bedeutet: Unverblendet, ungeschönt und Realistisch. Genau so leben wir. Genauso erziehen wir. Ein Jugendamt brauchen wir deshalb noch lange nicht ;)

Der Mensch ist was er isst...
In dem Fall bin ich froh, das wir sind, wer wir sind...

In dem Sinne

Namasté

Eure Jo




* Meine Meinung zur Homoehe:
Ich selbst bin Homosexuell, ich liebe meine Frau, wir wollen "richtig" Heiraten, das gehört für uns einfach zur Liebe dazu. Eine sogenannte "Homoehe" gibt es nicht. Ich sage dazu: "Ehe für alle" denn das ist die korrekte Bezeichnung, ich möchte nur das was Heterosexuellen Menschen möglich ist, ich möchte weder eine Sonderstellung, noch eine Sonderbezeichnung.



Quellenverzeichnis:
 http://www.fuereinebesserewelt.info/der-fleischatlas-jetzt-gehts-um-die-wurst/
http://www.agrarheute.com/ami-fleischkonsum070510
http://www.ami-informiert.de/ami-maerkte/ami-fleischwirtschaft/ami-meldungen-fleischwirtschaft.html
http://www.proplanta.de/Fotos/Taeglicher-Obst-und-Gemueseverbrauch-in-Gramm-pro-Kopf-Statistik-dfhv_Bild1276858355.html

Samstag, 3. August 2013

Die Wahrheit der Eierindustrie - Interview mit jemanden der es wissen muss.





Auf dem Bild sieht man ein Huhn aus einer Legebatterie!



Da demnächst auch bei uns Hühner aus einer solchen Haltung einziehen werden, wollte ich einfach mehr über die Hintergründe wissen, wie ein Huhn in einer solchen Legebatterie lebt und was mit ihm alles geschieht. Und aus dem Grund habe ich einen Mann befragt der es wirklich wissen muss. Er gehört zu einer Gruppe von Tierschutzaktivisten die es sich zur Aufgabe gemacht haben Hühner zu retten. Seiner Arbeit ist es zu verdanken, das das Huhn auf meinem ersten Bild, mittlerweile glücklich Leben darf.

Interview mit Lukas von Animals e.v 
:


Jo:

Hallo Lukas. Herzlichen Dank, dass du dich für dieses Interview bereit erklärt hast. Lukas du gehörst zum Team Animals e.v, seit wann bist du dabei und was hat dich dazu inspiriert?

Lukas:

Vor etwa 5 Jahren bin ich Vegetarier geworden. Ich habe mir immer mehr Filme und Bilder über die Nutztierhaltung angeschaut und auch von Tierbefreiungen. Nach einem Jahr war für mich klar:

1. Du wirst ohne wenn und aber vegan! und 
2. Du willst Tieren ein Leben schenken und alles für die Aufklärung der Gesellschaft tun.

Also rief ich jemanden an, der mit seinem Team Woche für Woche in diese Mastanlagen und Eierfarmen hinein geht und Bildmaterial an die Öffentlichkeit bringt. Schnell wurde ich ein Teil des Teams und lernte alles über die moderne Tierhaltung.  In den letzten 3 Jahren haben wir durch Bildmaterial Kaninchenmastanlagen geschlossen und erwirkt, dass in der Schweiz viele Läden Wiesenhofprodukte ausgelistet haben. Tierquäler vor Gericht gestellt und die Gesellschaft mit diesem Thema konfrontiert wurde. Außerdem haben wir hunderten Tieren ein neues, schönes Leben geschenkt. Nachdem mein ehemaliger Arbeitgeber dieses Rechercheteam gekündigt hat, arbeite ich unter anderem für Animals e.V.

Jo:

Ok, dann steigen wir mal richtig ins Thema ein. Welchen Unterschied gibt es zwischen Bio-Haltung und der sogenannten Volierenhaltung (Legebatterie)?

Lukas:

Eine Volierenhaltung ist zunächst einmal eine Sonderform der Bodenhaltung.Die ehemalige Legebatterie (Käfighaltung), wurde durch die so genannte Kleingruppenhaltung ersetzt.Kleingruppenhaltung hört sich schön an, es leben allerdings bis zu 60 Hühner in kleinen Stahlkäfigen, ohne sich großartig bewegen zu können, ohne jemals die Sonne zu sehen.
Bis zu 120.000 Hühner sind in einigen Kleingruppenhaltungen.


Die Volierenhaltung ist wie die Bodenhaltung, nur das die Hühner in mehreren Abteilen innerhalb des Stalls leben und in Regalen. Hier sind eben keine Käfige, sondern die Hühner leben in bis zu 5 Etagen übereinander in Stahlgestellen, ohne jemals die Möglichkeit zu haben nach draußen zu schauen. 18 Tiere leben hier auf einem Quadratmeter. 6000 pro Voliere und bis zu 90.000 in einem Stall.


Bei der Biohaltung ist der Unterschied zur Volierenhaltung, dass "nur" 3000 Hühner in einer Voliere sind und 6 Hühner pro Quadratmeter. Im Stall sieht es im Grunde genommen genau so aus wie in der Volierenhaltung; Stahlregale. Der große Unterschied ist, dass die Tiere einen Kaltscharraum zur Verfügung haben, eine Art überdachter Außenbereich, sowie  Auslauf ins Freie. Jedes Huhn muss 4 qm Außenbereich zur Verfügung haben.Hier arbeiten aber die meisten Hühnerhalter mit Tricks, damit die Hühner nicht irgendwo auf der Wiese ihr Ei legen. So findet man Stromlitzen, oder dichtes Buschwerk direkt vor den Ausgängen, so dass die Hühner nicht hinaus können und im Stall ihr Ei legen. In allen Haltungssystemen leben die Hühner nur ein Jahr lang und sehen danach aus wie Monster. Absolut degeneriert, zerhackt, ausgelaugt. Hühner ohne Federn, heraustretende Kloaken, offene Wunden und Milbenbefall, dass sieht man in so ziemlich jedem Stall, ob Bio oder Käfig.

Jo:

Kannst du meinen Lesern den "normalen" Hergang einer Ausstallung erklären?

Lukas:

"Normal", also in der industriellen Haltung, ist es, dass ein so genannter 'Impftrupp' durch die Farm geht, sich möglichst alle Hühner schnappt und in Kisten schleudert. Erst wenn die Kisten proppen voll sind, die Hühner kaum atmen können, kommen sie auf LKW´s und werden zum schlachten abtransportiert. Ich habe schon gesehen, dass nach dem Ausstallen Hühner mit abgerissenen Köpfen in der Farm lagen, darüber an der Wand Dollarzeichen und irgendwelche Sprüche gemalt waren.

Man kann sich vorstellen, wie grob es hierbei zugeht.  Die Hühner, die nicht gefangen werden, werden zurückgelassen und verdursten in den folgenden Tagen. Bei uns sieht das so aus, dass wir jedes Huhn so stressfrei wie möglich einfangen und vor allem darauf achten, dass sich das Tier nicht verletzt. Dazu packen wir die Hühner von hinten an den Flügelansätzen, fahren mit den Händen etwas an den Flügeln entlang und pressen diese leicht an das Huhn, sodass es nicht flattern kann. Wir packen immer so viele Hühner in jede Kiste, dass jedes Huhn sich noch etwas bewegen kann und auf keinen Fall Gefahr läuft sich zu verletzen oder zu ersticken. Lieber 2 weniger in einer Kiste, als 1 zu viel.Die Kisten packen wir dann ins Auto und fahren die Tiere direkt zu ihrem neuen zu Hause. Wir nehmen immer nur so viele Hühner, wie wir zuvor vermitteln können. Wenn wir also nur 3 Hühner vermittelt bekommen holen wir auch nur 3. Wenn es 500 sind auch 500.

Jo:

Holt man die Tiere mit Wissen des Halters aus der Anlage, oder in einer offenen  Befreiungsaktion?

Lukas:

Ich selbst war bisher nur bei offenen Befreiungsaktionen dabei. Sprich, wir sind im Schutz der Dunkelheit in eine Anlage gegangen (man findet immer eine offene Tür, abgeschlossene Türen sind tabu), haben  die vorgegebene Anzahl der Hühner genommen und sind wieder gegangen. Ob das legal oder illegal ist, darüber streiten sich Juristen, Bauern und Tierrechtler. Bisher habe ich noch kein einziges Anwaltsschreiben bekommen.

Jo: 

Welche Auflagen müsst ihr Erfüllen um die Tiere retten zu können?

Lukas:

Zunächst brauchen wir einen Platz für die Hühner. Wir holen nur so viele Hühner, wie auch Platz vorhanden ist. Diesen Platz schauen wir uns vorher an.Die Hühner müssen Auslauf haben, in einer gepflegten Umgebung leben und keinen Gefahren ausgesetzt sein. Zudem muss eine adäquate Stallanlage vorhanden sein; also überdacht, isoliert, mit Möglichkeit zum Nestbau.
Nur wenn alle Anforderungen auch erfüllt werden, darf man sich um die Hühner kümmern.  Bisher hat das aber noch jeder hinbekommen.

Die Halter müssen dann beim Veterinäramt anmelden, dass sie Hühner halten wollen. Zudem kommt noch eine ganze Palette an Baurechten, Nachbarrecht, Eigentümerrecht, Mietrecht, Seuchenschutz und Lärmschutz dazu. Erst wenn das alles abgeklärt ist, dann geht das auch aus rechtlicher Sicht. Aber auch das ist alles meistens unproblematisch. Dann brauchen wir einen ungefähren Termin, Transportboxen, Autos und Helfer.Die Arbeit kostet uns natürlich viel Zeit. Tage oder gar wochenlanges planen, wir müssen einen Termin finden (das kann auch ein Weihnachtsabend sein), wir müssen schauen, ob wir eine offene Anlage haben, die geeignet ist (also wenn wir Hühner nach Bayern bringen sollen, dann nehmen wir ja keine Legebatterie bei Flensburg), dann müssen wir natürlich wissen, ob auch Tiere drinnen sind. Es macht auch keinen Sinn bei -10 Grad Hühner aus einer Halle zu holen, die +25 Grad warm ist und noch 3 Kilometer zum Auto zu laufen, dann sind die kleinen Tod. All solche Sachen müssen wir beachten und befolgen.

Jo: 

Welche Auflagen müssen Mastbetriebe erfüllen?

Lukas:

Mastbetriebe müssen sich natürlich auch nach dem Baurecht usw. richten, allerdings gibt es gerade bei Hühnermastbetrieben immer wieder Urteile und Genehmigungen, wo man als Tierschützer nur mit dem Kopf schütteln können. Dann braucht der Mäster einen Kenntnissschein (Sachkundenachweis Hühnerhaltung) über Geflügel und los kanns gehen. Die Veterinärämter überprüfen eine Mast im Schnitt alle 3-5 Jahre, vorangekündigt und halbherzig. Eine Kontrolle findet sozusagen nicht statt. Der Mäster kann mit seinen Tieren praktisch machen was er will. Als privater Halter wird alles Mögliche geahndet. Also es ist nicht so, als hätten Mastanlagen keine Auflagen, aber diese sind verdammt locker.

Jo:

Wie alt werden Hühner in solchen Legebatterien?

Lukas:

Wenn sie nicht vorher sterben, dann 52 Wochen etwa. Sehr selten erreichen sie mehr als anderthalb Jahre. Die Länge des Lebens richtet sich ausschließlich nach der Legeleistung. Nimmt diese ab, wird geschlachtet und das ist meist nach einem Jahr der Fall. Masthühner werden 35 Tage alt.

Jo:

Wie alt können Hühner in Freiheit werden?

Lukas:

Das "Urhuhn" konnte angeblich bis zu 20 Jahre alt werden. Die Hybridhühner von heute, die Namen wie Lohmanns Brown oder Tetra-Hybrid haben, können vielleicht 5-7 Jahre alt werden. Aber genau kann man das nicht sagen.

Jo:

Die Lobby der Tierfabriken ist groß, ich habe gelesen, das zum Beispiel Fangemeinschaften wie Werder Bremen Wiesenhof sponsern (und umgekehrt), was hältst du davon?

Lukas:

Wiesenhof ist ein reiner Fleischerzeuger, aber ob Fleisch oder Eierindustrie ist egal. Es handelt sich um miliardenschwere Konzerne, die Politiker beeinflussen, Studien kaufen, wissenschaftliche Arbeiten zu ihren Gunsten erstellen lassen usw. Verträge mit beliebten Sportvereinen oder Veranstaltungen sind nur 'Greenwash'. Wenn man sich die Eierindustrie anschaut, so gibt es nur 3 große Produzenten in Deutschland, die wiederum eng miteinander verstrickt sind. Außerdem gehören diesen Firmen Abwassersysteme ganzer Orte, tausende Quadratkilometer Land, Futtererzeuger, Sicherheitsfirmen, Reinigungsfirmen, Institute, Pharmaunternehmen usw.
Die Tierindustrie hat  in so ziemlich allen gesellschaftlichen Bereichen Einfluss. Sogar bei Schulbüchern. Das ist eine Mafia!


Jo:

Es wird dem Verbraucher so allerlei Werbung übermittelt, kannst du hier Erklären was mit "Hühner Bodenhaltung" gemeint ist und was "Glückliche Hühner und Kühe" erleben, bis sie getötet werden?

Lukas:

Zunächst einmal müssen die Hühner irgendwo her kommen. Aus Eiern. Und diese kommen aus Elterntierfarmen.
Dort sitzen zig tausende Hennen in Käfigen und werden künstlich per Pipette befruchtet. Bilder aus diesen Anlagen gibt es kaum.
Die Eier werden dann in Kisten in Brüterreien gefahren, wo sie künstlich in gigantischen Hallen ausgebrütet werden.
Dann wird sortiert: weibliches Huhn darf leben, männliches wird geschreddert. Die weiblichen kommen dann wieder in Kisten und werden, gerade einige Stunden alt, in die Aufzuchtanlagen gefahren.


Wieder gigantische Hallen, keine Sonne, kein schönes Leben. Hier wird den Hühnern allerdings noch der Schnabel vorne abgeschnitten, damit sie sich nicht gegenseitig Picken.
Der Schnabel ist das sensibelste Organ des Huhns.

Sobald die aufgezogene Herde Eier legt geht es weiter (natürlich in Kisten) in die vorherbestimmte Eierfarm.
Mit 3 Monaten kommen sie hier hin und müssen von nun an ein Ei pro Tag legen. Wenn es Bio oder Freilandhennen sind können sie vielleicht die Sonne ab und an sehen, aber trotzdem bedeutet ihr Leben Stress und Einfältigkeit. Kein schönes Hühnerleben.

In der Werbung sieht man Häufig zwei oder drei Hennen auf Stroh sitzen. Das ist quatsch. Stelle dir 20 Hennen, panisch gackernd, zerrupft und auf ihrem eigenen Kot vor. Das ist Realität!Kurz zu den Kühen: Kühe werden künstlich geschwängert, das Kalb wird ihnen nach wenigen Stunden entnommen und kommt in Einzelhaft. Die Kühe werden täglich gemolken und sehen selten grüne Wiese. Auch Biokühe sind nicht das ganze Jahr auf der Weide und auch hier ist die Anbindehaltung erlaubt.Sie sind so verzüchtet, dass der Euter das gesamte Leben schmerzt. Eine Kuh ist praktisch dauernd schwanger, damit sie immer Milch gibt. Die männlichen Kälber werden zu Burgern und Kalbfleisch, den weiblichen werden die Hörner ausgebrannt und werden zu Milchmaschienen. Nach 5-7 Jahren werden sie geschlachtet.

Sie könnten auch 25 Jahre alt werden.






Hier sieht man ein Küken, dessen Schnabel gekürzt wurde.

Diese Prozedur wird ohne Betäubung oder Schmerzmittel durchgeführt. 





Dieses "öffentliche" Video zeigt eine sogenannte Elterntierfarm, 



Jo:
Die Albert - Schweizer - Stiftung, hat dokumentiert das es die Batteriekäfighaltung bereits seit 1950 gibt. Ende 2000 sprach man von 87% Käfighaltung. Durch etliche Tierschutz Kampagnen ist die Käfighaltung im Jahr 2011 auf 14% gesunken.  Das sind 11 Jahre, in denen die Tiere getötet und Missbraucht wurden. Legebatterien gibt es jedoch immer noch, auch Bodenhaltungseier werden weiterhin verkauft. Was ist also der Unterschied zwischen der Käfighaltung von damals und der Käfighaltung von heute. Denn so weit ich das beurteilen kann, hat sich an dem Elend der Tiere ja nichts verändert. Wie siehst du das?


Lukas:

In jeder Haltungsform leiden Legehennen. Die Hennen fühlen sich in Gruppen bis zu 50 Tiere wohl, mehr Tiere bedeutet stress und picken.
Biohaltung: 3000 Tiere pro Stalleinheit. Von der Hygiene im Stall mal ganz abgesehen.

Die frühere Käfighaltung war ein Extremum. 7 Hühner lebten mehr oder weniger gestapelt in einem Käfig. Die neue Käfighaltung ist lediglich etwas größer dimensioniert. Sprich der Käfig ist größer, dafür Leben mehr Tiere darin. Vorgegaukelte Artgerechtigkeit: Es sind Sitzstangen vorhanden, ein Nest, die Möglichkeit zum Scharren. Auf den Stangen können die Hennen kaum sitzen, Platz für alle wäre eh nicht da, sie stoßen beim Sitzen auf diesen Stangen an das Kotförderband des Käfigs darüber. Das Nest besteht aus einer Fußmatte und die Eier rollen so oder so aus dem Käfig. Sandbaden, spielen, fliegen, die Sonne, ein Wasserbad; all das bleibt den Hühner verwehrt.

Das ist für mich nicht Artgerecht, sondern ein grausames Verbrechen.

Jo:

Am 1 Dezember 2012 wurden 36,6 Millionen Legehennen in Deutschland gehalten (erfasst wurden Betriebe mit mindestens 3000 Haltungsplätzen). Wie muss man sich eine solche Haltung vorstellen? 

Lukas:

Normalmaße für einen Stall sind 120 x 30m. Manche Hallen sind auch größer und breiter. Die größte Halle, die ich kenne ist rund 280 x 30m. In dieser Halle leben 150.000 Hühner.  Solche Hallen stehen nicht alleine, sondern oft in Komplexen. Der Größte mir bekannte Komplex besteht aus ca. 60 Hallen von etwa 100 x 20m großen Hallen. Der größte mir bekannte Biostall hat 36000 Hühner unter einem Dach.

Jo:

64% der Eier werden immer noch aus Bodenhaltung gekauft. Wie ist die Aufklärung hier, Bodenhaltung kann ja letztendlich alles bedeuten? 

Lukas:

Die meisten Verbraucher glauben an das Bild auf der Eierverpackung. Dieses ist aber nicht so wie die Hühner wirklich leben, sondern so, wie der Konsument es gerne sehen würde. Auch die Lieblingsfloskeln der Tierindustrie (Nachhaltigkeit, Tiergerecht, Artgerecht, Studien beweisen, wissenschaftliche Fakten usw) hören sich für den Verbraucher ganz toll an, der sich hier gerne blenden lässt.  Fakt ist: Ziemlich jede Hühnerhaltung, außer die im eigenen Garten ist mit Tierquälerei verbunden. Ob Bio-, Freiland-, Boden- oder Kleingruppenhaltung.Fakt ist: In Fertigprodukten sind fast nur Käfig und Bodenhaltungseier drin (sogar verbotene Käfigeier durch ein Freihandelsabkommen mit der Ukraine). Ich empfehle jedem mit Garten sich darüber Gedanken zu machen, gerettete Hühner aufzunehmen. 

Jo:

Ich habe ja selbst eine kleine Tochter von 5 Jahren, die wir zum Großteil Vegan ernähren. Welche Möglichkeiten haben vegan / vegetarisch lebende Eltern ihren Kindern kindgerecht bewusst zu machen, das es keine glücklichen toten Kühe, Hühner und Schweine gibt?

Lukas:

Ich denke es ist wichtig dem Kind eher die Wertschätzung des Lebens der Tiere klar zu machen, als die Grausamkeit des Todes. Der Tod ist für Kinder etwas vollkommen weit entferntes. Aber ein lebendes süßes Hühnchen eine wundervolle Kreatur. Man muss Kindern beibringen, dass das Huhn, genau wie der Hund und die Amsel draußen leben will, mit seinen Artgenossen spielen will und gerne einen frischen Apfel pickt. Nur wenn das Tier frei lebt ist es glücklich.  Leider suggeriert die Werbung wiederum das tote Tiere das Kind glücklich machen (Happy Meal), da muss man als Elternteil dann dem Kind doch mal sagen, was in dem Burger drinnen ist. An der Reaktion des Kindes sieht man ja dann, wie widernatürlich Fleischessen ist.

Jo:

Wie sähe die Wirtschafslage aus, gäbe es keine Legebatterien mehr, was würde sich gravierend ändern?

Lukas:

Wenn man aus den Hallen Gewächshäuser macht und die Flächen der Futterproduktion statt für Hühner eben für Menschen betreibt, dann hätten wir so viel Nahrung, dass wir wahrscheinlich noch ein weiteres Land mitfüttern könnten. Wenn ein Geflügelhalter zum Weizen- oder Lupinenbauer umschult, dann behält er ja seinen Arbeitsplatz. Mehr sogar, Agrarbetriebe mit Obst- oder Ackerbau benötigen mehr Arbeitskräfte, als Tierhaltungsbetriebe. Man sollte vor allem weg vom industriellen Großunternehmen hin zu vielen bäuerlichen Betrieben. Demeter und Bioland sind da auf einem guten Weg. Sowas sollte gefördert werden.

Jo:

Welche gesetzlichen Änderungen müssten hier greifen, damit sich das Verbraucher Verhalten ändert?

Lukas:

Tierprodukte müssen  teurer werden. Verbraucher täuschende Werbung auf Fleisch, Milch, Eiern muss verboten werden, Umwelt- und Tierethik muss bereits ab der Grundschule gelehrt werden. Der Verbraucher muss für Tiere sensibilisiert werden, damit der Wahnsin aufhört. Ansonsten: Go Vegan!

(Einfügung von mir: ICH bin dafür das man es bereits im Kindergarten lehrt!!!)


Jo:

Lukas, herzlichen Dank für das Interview, möchtest du noch etwas den Lesern zum Nachdenken mitgeben?

Lukas:

Wer ein Huhn aus einer Anlage rettet macht nichts gegen den großen Wahnsinn, aber für das einzelne Tier ist es das größte Geschenk des gesamten Lebens. Jedes Tier das wir nicht essen, jedes Ei das wir nicht kochen, jedes Milchglas, das wir nicht trinken bewahrt letztendlich hunderte Tiere vor einem Qualvollen kurzen Leben.  Und wenn sich jeder mal kurz hinsetzt, zur Ruhe kommt und sein Konsumverhalten überdenkt, dann kann jeder von uns den Schritt gehen und nein zu Tierquälerei sagen. 


Ende des Interviews.



Ich bedanke mich herzlichst bei Lukas und Anja (die den Kontakt zu Lukas erst ermöglicht hat) von Animas e.v.
 

Wir Menschen sehen die Welt oft durch Werbung recht bunt. Die Wahrheit sieht leider anders aus. Es werden immer noch täglich Millionen Tiere getötet.


Der Vegetarierbund hat berechnet: Ein Deutscher Fleischesser isst in seinem Leben 1094 Tiere!


4 Kühe

4 Schafe
12 Gänse
37 Enten
46 Truthähne
46 Schweine
und
945 Hühner.

Diese Tiere müssen für einen einzigen Menschen sterben. Wir können das ändern, indem wir auf unser Gewissen hören und auf unser Mitgefühl.


In dem Sinne


Alles liebe von Jo




So sehen Hühner aus, nachdem sie gerettet wurden!


Quellenverzeichnisse:

Alle Bilder stammen von Animals e.v und durften hier veröffentlicht werden.

Montag, 29. Juli 2013

!Rettet das Huhn! - Hühnervermittlung Kurzfristig!

Ich habe heute eine Nachricht von: Rettet das Huhn erhalten.
Welche ich euch nicht vorenthalten möchte.
Rettet das Huhn ist eine Initiative unterschiedlicher aktiver Tierschützer, die sich aus ganz Deutschland zusammen gefunden haben um Legehennen aus sogenannten "Ausstallungen" (für den Schlachthof aussortierte Hühner) zu retten.

Die Hühner kommen meist aus Massentierhaltungen. Ich möchte diese Initiative gerne unterstützen, aus dem Grund werde ich regelmäßig hier auf meinem Blog über "Rettet das Huhn" berichten.





ACHTUNG – KURZFRISTIG

Anfang September 2013

Ca. 850 weiße Hennen aus einer Freilandhaltung in Niedersachsen zu vermitteln! :-D
Bitte nehmen Sie bei Interesse DIREKT mit dem jeweiligen Ansprechpartner in Ihrer Region Kontakt auf!
An dieser kurzfristigen Rettungsaktion sind nur die Ansprechpartner aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen beteiligt!
Wenn Sie aus einem anderen Bundesland kommen und Hennen aufnehmen möchten, dann können Sie sich gerne bereits jetzt bei dem jeweiligen Ansprechpartner in Ihrer Region für die nächste Rettungsaktion im Januar 2014 vormerken lassen, da sich an dieser Großaktion alle Ansprechpartner der bisher aufgeführten Bundesländer beteiligen werden!
Hier die Ansprechpartner aus den einzelnen Regionen:
Niedersachsen
Raum Gifhorn: Jenny / jenny@rettetdashuhn.de 
Raum Wolfsburg: Steffi / steffi@rettetdashuhn.de 

Schleswig-Holstein
Nordrhein-Westfalen
Ruhrgebiet: Nicole / nicole@rettetdashuhn.de 
Münsterland: Claudia / cl.heemann@web.de
Hochsauerlandkreis: Katja / katja@rettetdashuhn.de

Hessen
Annika & Thomas / annika@rettetdashuhn.de 




Hühner - Rettung aus einer Freilandhaltung. Juni 2013

Sonntag, 21. Juli 2013

Hühner ohne Eier? - Warum nicht....




Ich habe das Eier Essen aufgegeben! Und mit mir wohl meine Frau und meine Tochter ebenso...
Das ging von einem Tag zum anderen.
Ich kann euch noch nicht mal einen Grund nennen. Mir fehlte auf einmal das Bedürfnis, und so habe ich letztens Rührtofu gemacht, statt Rührei.

Das ist übrigens sehr einfach und schmeckt super Lecker.
Eine Zwiebel anbraten. Dann einfach den Tofu mit der Gabel zerkleinern, einen halben Teelöffel Kurkuma darüber streuen.
Den Tofu zu den Zwiebeln geben und alles zusammen weiter braten, bis der Tofu leicht angebraten ist. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Ich gebe nur Schnittlauch darüber und fertig.

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Nach genau 82 Tagen veganem Leben fehlt mir überhaupt nichts. Es geht mir gut, ich fühle mich wohl und meine Schuldgefühle sind verschwunden. Ich fühle mich befreit. Das erste Mal seit meiner Kindheit fühle ich mich frei von Schuld.
Schuld am Leid unserer Tierwelt.
Natürlich töte ich immer noch, wenn ich einmal unachtsam bin, zertrete ich Ameisen, Schnecken, Käfer.
Gestern mussten wir den Stall von Hühnermilben befreien. Denn unsere Hühner waren schon wieder befallen.
Es ist ein ewiges Übel, um eine Tierart zu schützen tötet man eine anderes. Gerade was die Milben betrifft, fühle ich mich echt hilflos.
Einen "Richtigen" Weg damit umzugehen, habe ich noch nicht gefunden...

Die Eier verschenken wir jetzt an unsere Nachbarn, hin und wieder bekommen unsere Hunde ein rohes Ei.
Den Hühnern ist es - so glaube ich - ziemlich egal wer die Eier isst und uns ebenso.

Grüße von Jo




Montag, 15. Juli 2013

Vom guten und vom schlechten Schwein - eine Satire


Unsere DNA ist dem Schwein sehr ähnlich und deshalb werde ich hier in vieler Hinsicht Vergleiche mit unseren Artgenossen ziehen. 

Das Schwein ist gar nicht das was es für uns zu sein scheint. Es ist ein kleines rosa Wesen mit flachen Rüssel und Ringelschwanz, ein oft gegessenes, mit Worten belegtes Tier, dass wir immer mal wieder für abfällige Äußerungen missbrauchen.


In Wirklichkeit ist ein Schwein geteilt zu betrachten, es gibt nämlich gute und schlechte Schweine.
Das gute Schwein ist das Tier, das Fleisch und Wurst und einen Schwartenmagen zaubert und zu guten (oder weniger guten) Essen zubereitet wird. Ein Schlachtobjekt unserer Begierde. Das schlechte Schwein ist immer dann die Bezeichnung für Menschen aller Altersgruppen und Nationalitäten, wenn Mensch von Mensch nicht verstanden wird und nicht mehr weiß wie er oder sie sich sonst erwehren soll.


Die Sprache ist ein gutes Ventil, Schwein ein oft gehörtes und gewohntes Schimpfwort. Jeder hat es mal gebraucht - davon bin ich überzeugt, und sei es nur als Gedanke. Wir lernen bereits im Mutterleib, dass ein Schwein ein Mensch ist, der etwas unschönes getan oder gesagt hat. Und gleichzeitig lernen wir, ein Schwein ist rosa und hat einen Ringelschwanz und  man kann Steaks daraus machen. Außerdem quickt es und grunst.


Damit hört es eigentlich auch schon auf mit dem Lernprozess. Manche Menschen interessiert das Schwein auch aus gesundheitlichen Gründen. Es gibt die Schweinepest, bei Mastschweinen kommt manchmal kein gutes Fleisch zustande, weil die Tiere so viel Adrenalin ausschütten, dass das Fleisch zu Hundefutter verarbeitet wird, wer will schon Hundefutter essen. Also möchte diese Menschen eine bessere Aufzucht, gutes Futter für die Schweine und dann wird das Ganze mit dem Gütesiegel versehen und kommt als Bio-Ware in die Kühltruhen. Diese Menschen haben dann ein gutes Essen für andere Menschen gemacht und überhaupt sie fühlen sich besser, denn sie haben auch noch etwas für die Umwelt getan.


Das Schwein als Markenware. Man sieht sie manchmal in Plastik stehend, vor dem guten Metzger in der Stadt, lächelnde Schweine mit ihren zartrosa Bäckchen und hocherhobenen Fuß (den rechten versteht sich) der dann auf das Angebot des Tages hinweist. Kennt ihr diese kleinen Plastikschweinchen, achtet mal darauf, sie lächeln immer!


Die anderen, die Schlechten, die sieht man nie. Man hört sie nur. Auf halbleeren Gassen, wenn die Lichter der Kneipen langsam verlöschen, dann hört man noch eine Flasche die unsanft auf den Boden fällt und einen lallenden Ausdruck: 

” Du Schwein du!” 

Wen er denn nun mit diesem Schimpfwort betitelt, den sieht man nicht. Denn man nimmt schnell Reißaus, vor dem Betrunkenen an der Ecke. Es interessiert nicht weiter. Die schlechten Schweine die will man nicht, man jagt sie aus dem Garten, oder aus der Tür oder man versucht sie einem Albtraum gleich zu begraben.

“Gesagt haben wir doch sowas nicht, nein wir nicht!” Zitat Ende.
Wir wachsen damit auf, mit den guten und den schlechten Schweinen. Mit dem:

“Hand vor den Mund und hör auf zu Grunzen!”
oder
“Iss schön dein Fleisch auf Schatz, damit du groß und stark wirst!”

Uns interessiert nicht weiter woher die Tierchen kommen, wie sie sterben und wie unsere Steaks hergestellt werden. Uns interessiert nur ob ihr Fleisch frisch ist, ob die Kühltheke gut sortiert ist. Ob das Fleisch schön rosa ist (so wie das Lächeln des Metzer-Plastikschweinchens), natürlich das Herstellungsland (Gerda zu Bruna: “Kauf nur nix aus Übersee, der Weg ist zu weit und du weißt nicht wie lange das Steak unterwegs war!”), vielleicht noch das Biosiegel (Sabine zu ihrer Frau: “Für uns nur das Beste! Kauf BIO!”) und natürlich der Preis.


Das ist es was wir bereits als Kleinkinder mitbekommen. Das gute Schwein auf dem Brot in Form von einem kleinen Teddybären. Die sogenannte Kinderwurst. Doch merkwürdig, wenn ich durch die Reihen der Kindernahrung gehe, die kleinen Gläschen betrachte, da wird mir auf einmal bewusst, da gibt es kein gutes Schwein. Da gibt es Huhn und Pute und sogar vereinzelt Rind, doch kein Schwein. So als ob das Lächeln gar nicht mehr so rosa aussehen würde. Man hat doch tatsächlich das Schwein vergessen - das gute Schwein versteht sich. Und so frage ich mich, warum steckt es nicht in den Gläschen, wenn es doch immer noch in den Theken zu finden ist, als Abgepacktes hinter den Tresen liegt, vergammelte Ware hinter den Kaufhäusern in Containern und auf dem Küchentisch fein zerlegt als Sonntagsbraten, warum also nicht auch in den kleinen Glasbehältern für Kindernahrung. Ein kleines Schwein das singt und auf einer saftigen Wiese tanzt. Warum hat die Werbung das gute Schwein vergessen?Ich stell es mir so schön vor, rosa auf saftigem Grün der Wiese, mit Butterblümchen in zarten Gelb und über dem ganzen: Gutes Schwein in zartem Buttergemüse.


Merkwürdig oder?

Und deshalb habe ich nachgehakt, klar gibt es das gute Schwein in Babynahrung (ab 4 Monate steht darauf) von Alete und Hipp. Aber niemand kauft es. Und deshalb ist es auch nicht im Sortiment. Ich fragte mich warum kauft es niemand. Und bekam zur Antwort:

“Na wegen der Schweinepest (KSP klassische Schweinepest oder ASPV - Afrikanische Schweinepest-Virus) und den Zusatzstoffen die aus dem Schwein gewonnen werden und natürlich der Antibiotika die Mastschweine bekommen und die sich dann im Fleisch absetzt"
- Ah danke sage ich! Jetzt kapiere ich es! Na klar, man will ja nicht, dass die lieben Kleinen die Schweinepest (oder schlimmeres) bekommen. Verständlich.  Nur, warum dann die Kinderwurst, diese - ihr kennt sie sicherlich - mit dem Teddy drauf (Theodor würde sich sicherlich freuen!) Wurden die Zusatzstoffe, die Antibiotika und der Virus dort herausgenommen, vielleicht durch chemische Prozesse zum zersetzen gebracht? Oder ist das ganz Kind gerecht genmutierte Tierchen, nur für diese Wurst gezüchtet?Eine Antwort habe ich nicht erhalten, ich habe es auch nicht erwartet. 

Auch keine Antwort, warum wir Menschen zwar auf Packung und Preis achten, bevor wir ein Produkt kaufen. Auf Konservierung und die kleinen E´s und sonstigen merkwürdigen Kürzel die uns nur dann etwas sagen, wenn wir uns die Mühe machen in Google nachzulesen. Auch keine Antwort: warum es noch immer Schweinesteaks von Massentierhaltern gibt und warum in den Fleischfabriken die Tiere in engen Verschlägen gehalten werden und diese in ihrem eigenen Kot dahin vegetieren, bevor sie psychisch und physisch zerrüttet geschlachtet werden (Human versteht sich!).


Wir achten auf versteckten und unversteckten Zucker, ob die Ware getestet wurde und ob es schmeckt. Aber uns interessiert es nicht ob unser Kind irgendwann nur einen Unterschied zwischen dem Guten und dem Schlechten Schwein kennt, nämlich die Hand vor den Mund zu halten, wenn es Husten muss. Oder sich die Hände nach dem Pipi machen zu waschen, keine Popel zu essen und auf keinen Fall einen Regenwurm:
“Bäh du bist doch kein Schwein, nimm den Wurm aus dem Mund!” 

Stattdessen isst es gute Schweine aus der Tiefkühltruhe oder direkt vom Metzger, Schweinerosa und ganz frisch.
Und hin und wieder schlägt es sein Kinderbuch auf, das vom Bauernhof und da tummeln sich dann lächelnde Schweinchen auf der Wiese oder im schönen Stall. Später dann hat es einen eigenen kleinen Bauernhof mit Pferdchen und Hühnchen und natürlich auch den rosa Schweinchen und die darf es dann auf die Wiese vors Haus setzen.

Und sollten wir intelligente Kinder haben, die dann einen Zusammenhang sehen zwischen der Teddywurst und der Spielzeug-Bauernhof-Schweinehaltung, dann können wir immer noch sagen: 


“Den nächsten Urlaub verbringen wir dann auf einen richtigen Bauernhof, damit du mal echte Schweine siehst!”
Und natürlich nicht auf einem Masthof, das wollen wir weder unseren Kindern doch uns antun. Das wäre zu unmenschlich. Nein ein Ferienbauernhof in Bayern. Da laufen dann die kleinen und großen Schweinchen  auf dem Hof herum  und unsere Kleinen können sie dann füttern, biologisch natürlich. Und im Winter, wenn es keinen Gastbetrieb mehr gibt, werden diese dann human geschlachtet und kommen im Sommer auf das Butterbrot (die Wurst ist ohne Verpackung, denn dann müsste ja drauf stehen: Eigene Schlachtung!). Wir achten nur darauf, dass die Schweine ihr Lachen nicht verlieren. Denn Kinder lieben kleine rosa Schweinchen mit einem Lächeln im Gesicht.

Ach ja, die schlechten Schweine, die kommen in meiner Geschichte ja fast schon zu kurz. Doch spätestens im Kindergarten hören wir sie. Wenn Leon das Spielzeug von Alexander geklaut hat und Alex wütend zur Kindergärtnerin läuft und weint: “Das doofe Schwein hat meinen Laster geklaut!”Gute Kindergärtnerinnen sagen dann: “Schwein sagt man nicht - Schwein is(s)t man!”

In dem Sinne


Guten Appetit wünscht Jo



Gilt übrigens für jede andere Tierart auch... Es gibt den Ausdruck:

  1. Dumme Kuh
  1. Dämliches Huhn
  1. Du gickelst wie eine Henne (Hessisch gickeln = kichern)
  1. Blöder Ochse
  1. Rindvieh
  1. Blindes Huhn...
  1. Schwein gehabt...
Was ich noch nicht gehört habe:
  • Du Mastkücken
  • Du Massentier
Wundert mich irgendwie...

Äh und für jeden der mich jetzt schlachten will... DIES ist eine SATIRE!!


Dienstag, 2. Juli 2013

Freiheit ...?!




Eine wahre Geschichte...

Es war einmal ein dreijähriges Mädchen sie besuchte das erste mal mit ihrer Oma den Zoo. 
So blieben beide auch am Affengehege stehen. Drinnen war ein großer Tumult. Eine Gorillamutter hielt ihr totes Baby in den Armen und schleifte es über den Boden, sie wollte es nicht mehr hergeben und die Tierpfleger beließen es bei der Mutter. Das Mädchen sah es und ging ganz nah an die Glasscheibe. Sie fing an zu weinen, weil sie begriff, das das Baby der Affenmutter tot war und klopfte an die Scheibe. Die Gorilladame wurde auf das Menschenkind aufmerksam und berührte ebenso die Glasscheibe. Und so berührten sich Hände jeder auf seiner Seite...

daraus entstand eine Liebe fürs Leben....

Das Mädchen war ich... ich habe nie herausgefunden wie die Gorillamutter hieß.
Gorillas, Chimpansen und Bonobos gehören seit diesem Erlebnis zu meinen Herzenstieren, sie berühren mich auf eine Art die ich nicht erklären kann. Ich fühle mich noch mehr zu ihnen als zu Menschen verbunden.

Als ich das folgende Video sah, musste ich wieder daran denken, was ich damals als kleines Mädchen gefühlt hatte. Dieser Schmerz in den Augen der Mutter die ihr Baby verloren hatte, die Traurigkeit die ich mitfühlen konnte, aber auch dieser winzige Moment an dem sich unsere Hände durch die Glasscheibe berührten... Ich werde das nie vergessen können...

Später habe ich dafür gekämpft das man die Menschenaffen aus dem Tierversuch nimmt... ich bin auf die Straße gegangen und habe mit Unterschriften gesammelt... Es vergingen bestimmt 30 Jahre in denen ich in Freiheit lebte-  


Und dann sehe ich heute dieses Video von Gut Aiderbichl und denke nur, wie kann man das verantworten? 30 Jahre saßen diese Chimpansen in Einzelhaft, nur für unsere Forschung. Ich habe Rotz und Wasser geheult..Tu ich immer noch.... vor Trauer, aber auch vor Rührung... wie gerne hätte ich sie ganz in Freiheit gesehen, aber Wesen die so viele Jahre in der Dunkelheit lebten, ohne Kontakt zu anderen... wie sollen sie noch frei sein können...

Ich habe am 4 September Geburtstag - Liebe Freunde, wer mir wirklich eine Freude machen will, der spendet an diesem Tag 5 Euro für die Chimpansen auf Gut Aiderbichl!

Das ist mir ein wahrer Herzenswunsch.... DANKE!
Alles liebe von Jo



2 lesbische Frauen, 1 schwuler Mann, 1 Kind = Regenbogenfamilie!

Unsere Regenbogenfamilie entstand 2007



Einer wackelt immer.... das einzige Foto das uns alle zeigt (außer Flocke und Bebbles)


Der Kinderwunsch ist etwas das ein Mensch nicht steuern kann. Es baut sich auf wie eine Lawine und bevor man überhaupt denken kann, rollt sie über einen hinweg. So zumindest empfinde ich es.
Als wir uns gemeinsam entschlossen ein Kind zu bekommen, hatte ich bereits mehrere Fehlgeburten hinter mir und es stand fest, dass ich selbst keine Kinder bekommen konnte.

In unserem Leben spielte der Buddhismus immer schon eine übergeordnete Rolle, auch als wir uns selbst noch nicht Buddhisten nannten.
Ich habe einen großen Respekt vor dem Leben, vor jedem Leben und im Laufe der Zeit wurde mir bewusst, dass wir Erwachsene sehr oft über das Leben unserer Kinder entscheiden, auch dann noch wenn diese bereits selbst Erwachsen sind. Wir haben einen großen Einfluss auf ihr Leben und ihr Erleben. So war es uns von Anfang an ein Bedürfnis unserem Kind möglichst viele Freiräume zu lassen und ihr auch die Erfahrungen zu ermöglichen die viele Kinder durch Trennung ihrer Eltern nicht haben. Britta und ich wollten, dass sie ihre Wurzeln kennen und lieben lernt.

Aus dem Grund suchten wir nicht nach einem Samenspender, sondern nach einem Vater für unser Kind.
Und so lernten wir Bernie kennen.
Auch er hatte diesen unbändigen Kinderwunsch.

Viele fragen uns wie unser Kind entstanden ist, wir machen daraus kein Geheimnis.
Shaya ist durch die Bechermethode* entstanden.
Diese Form der Insemination wird gerade in der Tiermedizin oft angewendet, um z.B. Kühe zu befruchten.
Es ist im Grunde genommen genauso sicher oder unsicher wie die natürliche Empfängnis in heterosexuellen Beziehungen.
Nur wird hier das Sperma des Mannes in einem Becher aufgefangen und der Frau mit einer Spritze (natürlich ohne Injektionsnadel) eingeführt.
Wir drei Elternteile waren also jeder in dieser - für mich  heiligen - Handlung der Zeugung unseres Kindes beteiligt.

Es mag für viele eigenartig oder gar widernatürlich sein, aber man darf hier nicht vergessen, das mittlerweile sehr viele Kinder durch Insemination gezeugt werden. Unsere Tochter hatte das Glück, in einer Liebesnacht gezeugt zu werden, trotz Insemination.

Das es beim ersten Mal schon zu einer Schwangerschaft kam ist für uns alle ein großes Glück, denn in der heutigen Zeit ist es nicht einfach ein Kind zu bekommen. Jedes Kind das geboren wird, ist ein Glücksfall und nur der Umstand ob es gewollt oder ungewollt geboren wird, kann das Glück verändern.

Wir haben diesen Schritt lange überlegt, denn ich war zu dem Zeitpunkt als Shaya auf die Welt kam, schon 42, Britta war 37 und Bernie war bereits 47 Jahre alt.
Ein Kind zu zeugen bringt immer Veränderungen mit sich, wir wussten auch nicht ob wir ihr all die Möglichkeiten geben können die wir uns für sie wünschten. Es war ein Akt der Liebe und ein Akt der Würde unter einander. Aus dem Grund gab ich ihr den Namen Shaya, was auf altpersisch Würde bedeutet.

Wir leben seit 2007 eine Regenbogenfamilie, Shaya hat drei Elternteile. Für sie ist das Normal. Ich werde oft gefragt ob unser Kind denn keine Probleme im Kindergarten hat und ich kann diese Frage ehrlich mit NEIN beantworten. Auch werde ich gefragt, ob sie es denn ungewöhnlich findet, das sie drei Elternteile hat, nun auch das kann ich mit einem klaren NEIN beantworten. Shaya sagt dazu mit eigenen Worten:

"Es ist egal ob sich Mann und Mann, oder Mann und Frau, oder Frau und Frau lieb haben, das ist doch Normal wie Kaugummi kauen".

Um meiner Tochter ein ganz normales Leben zu ermöglichen, kämpfe ich für eine Anerkennung unserer Regenbogenfamilie. Ich möchte das die Leute verstehen lernen, das wir nicht anders sind, sie wächst auch nicht anders als viele andere Kinder auf. Viele Kinder erleben ihren Vater oder Mutter meist nur am Wochenende, denn oft genug verlässt er/sie das Haus, bevor das Kind aufsteht und kommt nachhause wenn das Kind im Bett liegt. Das ist Alltag für die meisten Kinder berufstätiger Elternteile.

Shaya hat eine Mami die den ganzen Tag zuhause ist (das bin ich), eine Mama die Arbeiten geht und die sie erst Nachmittags zu Gesicht bekommt (das ist meine Frau, die voll berufstätig ist) und einen Papa den sie fast jedes Wochenende und während seines Urlaub sieht (das ist Bernie).

Wir leben Familie wie jede andere Familie auch, wichtige Dinge entscheiden wir zu dritt, alltägliche Dinge regel ich oft alleine. Wir unterstützen uns gegenseitig und nehmen am Leben des anderen Teil.
Aus einer Suche nach einem Vater für unser Kind wurde eine innige freundschaftliche-familiäre Beziehung fürs Leben.

Viele lesbische Frauen fragen mich, ob ein Mann nicht unsere Familie bzw. unsere Beziehung stören könnte: Das ist noch nie passiert. Im Gegenteil, ich kann mich jederzeit auf zwei Menschen verlassen, wenn es mir z.B. mal nicht gut geht ist entweder Britta zur Stelle, Bernie oder eben beide. Ich finde sogar das Bernie eine Bereicherung in unserer Familie ist, da Shaya mit ihm Dinge erleben kann, die sie mit uns nicht kann. Ich denke sogar, das unser Kind dadurch nur profitiert.

Das wir alle drei Homosexuell sind, stört uns am wenigsten. Ich denke sollte es wirklich irgendwann zu einem Problem für unsere Tochter werden, weil z.B. andere Kinder sie hänseln, so werden wir eben aktiv werden müssen, sei es um einen Aufklärungsuntericht in der Schule zu organisieren, oder um aktiv   Elternarbeit in der Schule zu leisten. Wir haben bisher alles gemeinsam geschafft, das werden wir auch noch schaffen.

Aber ganz ehrlich, ich glaube das noch nicht mal, Shaya ist sehr beliebt im Kindergarten und sie ist selbstbewusst genug um jetzt schon klar zu sagen: "Ich habe zwei Mamas, einen Papa, ganz viele Onkel und Tanten und Omas und einen Opa...das ist halt so, na und!"



Quelle und Erklärung zur Bechermethode: http://de.wikipedia.org/wiki/Bechermethode

Alles was bleibt....



Diese Kuh lebt in unserem Ort, hinter kleinen Fenstern, durch die normalerweise niemand hindurch blickt.
Wir gehen so oft an Tierleid vorbei, ignorieren den Umstand das hinter den Theken der Verkaufswaren Fleischstücke von Tierleibern liegen, fein verpackt und hell rosa präsentiert.
Wir ignorieren auch die Transporte die in der grellen Hitze auf Parkplätzen stehen, dieses leise Muhen oder Grunzen im Inneren und der Geruch der uns ein ganzes Stück beiseite treten lässt.

Wir ignorieren die vielen Tiere der Flutkatastrophen, die zurück bleiben und untergehen, während die Menschen ihren sicheren Hafen erreicht haben.
Und wir ignorieren das Leid der Hunde und Katzen in Ländern die wir besuchen, wenn wir unseren Urlaub dort verbringen, hinter Mauern so dick, das das Schreien der elendig Hungenden und Leidenden nicht zu uns hindurch dringt.

Wir Menschen sind wahre Künstler im Ignorieren von Tatsachen.
Wir sind auch in der Lage zu quälen und zu missbrauchen, wenn es unseren Wohl entspringt.

Während ich hier schreibe, hat diese Kuh sich wieder zurück gezogen in das Dunkel ihres Stalls, und das Fenster ist wieder so wie vorher nur ein kleines Fenster das man leicht übersehen kann. Der Geruch von Innen, ist schnell aus der Erinnerung verschwunden.

Was bleibt ist ein NICHTS.

Ich bin froh, dass Britta heute dieses Bild beim Vorbeigehen geschossen hat. Es hinterlässt wenigstens einen Moment in den Köpfen derer die es sehen. Einen kleinen Moment innehalten, wenn man zur Milch greift oder zum Käse.

Es hinterlässt einen Gedankensplitter.. an eine Kuh die es vielleicht morgen schon nicht mehr gibt....


Namasté kleine Kuh hinter dem Fenster.... durch das ich noch nie gesehen habe...